Copy
Sichtwechsel BplusE® Interview 1/2014
View this email in your browser
Mai 2014
Liebe Leserin, lieber Leser

Ein bewusster Wechsel der Perspektive, der Bruch mit Gewohntem, übt immer wieder eine grosse Faszination auf mich aus. Sichtwechsel gehören zu meinen Leidenschaften, denn sie fordern und fördern den Mut zum Schritt aus der Komfortzone. Und dieser wird oft genug belohnt mit neuen, bisher nicht erkannten Möglichkeiten. Ein Sichtwechsel, ganz gleich in welchem Lebensbereich, ist wertvoll und inspiriert. Ich bin sicher, dass Sie dazu in Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz eigene Beispiele finden.

Einer, der die „Herausforderung Sichtwechsel“ mit Fachwissen, Disziplin und Mut meisterte und sich zudem durch seine Offenheit für Innovationen auszeichnet, ist Christian Keller, mein Gesprächspartner für dieses Sichtwechsel BplusE ® Interview. Als CEO der Keller AG Ziegeleien in Pfungen räumte er mit den alten Hierarchien des Familienunternehmens auf, vertraut auf die Innovationskraft seiner Mitarbeiter und führt neue Produkte ein.

Ich wünsche Ihnen inspirierendes Lesevergnügen und grüsse Sie herzlich
Beatrice Erb
Mit Offenheit für Neues
die Unternehmenszukunft gestalten


Beatrice Erb im Gespräch mit Christian Keller
Beatrice Erb (BE): Sie stiegen mit jungen 30 Jahren in ein Familienunternehmen ein. Hatten Sie Respekt oder sogar Angst vor dieser Aufgabe?
Christian Keller (CK): Gesunden Respekt hatte ich schon. Mein Vater hatte ein Problem in seiner Firma und bat mich zu kommen. Ich stieg ein mit dem Aufbau des Qualitäts- und Umweltmanagements. Dabei sah ich in jeden Bereich hinein und lernte die Prozesse detailliert kennen. Es hat mir sicher sehr geholfen, dass ich nicht von Anfang an 100 Leute führen musste. Nach eineinhalb Jahren übernahm ich alle Produktionen und führte deren vier Betriebsleiter. Dabei lernte ich Material und Produktion kennen und entwickelte ein Verständnis für diese Bereiche. Ziemlich schnell tauchte ich dann in die Unternehmensführung und damit in die personelle Führungsaufgabe ein.
BE: Es scheint Ihnen in Ihren Anfängen vieles gut gelungen zu sein. Das ist nicht selbstverständlich, bedenkt man, dass so ein Frischling von der ETH auch mit Distanz hätte aufgenommen werden können.
CK: Die Akzeptanz der Mitarbeiter bekam ich gleich zu Beginn, einfach weil ich Keller heisse - obwohl ich ja keinen blassen Schimmer hatte von Backsteinen und Klinker. Hierarchisch gab es diese Distanz schon, aber die Mitarbeiter haben schnell gemerkt, dass ich anders führe als mein Grossvater oder mein Vater. Mein Verständnis von Führen ist geprägt von einer Nähe zum Menschen. Ich ging von Anfang an unangemeldet zu den Leuten und versuchte, zusammen mit den Mitarbeitern die Probleme zu lösen. An diesen anderen Führungsstil mussten sich einige zuerst gewöhnen.

BE: Gibt es einen «Sichtwechsel» in Ihrem Leben, der für Sie markant war?
CK: Ja, den erlebte ich schon relativ früh. Am Anfang meiner Jahre als Unternehmer habe ich erkannt, dass die Ziegeleien zwar wichtig sind und grundsätzlich unser Kerngeschäft ausmachen, dass sie aber nicht das Einzige sein können. Denn der Bau wandelt sich, die Vorschriften wandeln sich. Wir müssen in der Lage sein, in der Zukunft Verkaufsfelder aufzubauen, die irgendwann die Ziegeleiprodukte ergänzen können. Zum Beispiel machen wir heute im Elementwerk zu beinahe 90 Prozent Betonelemente. Dort haben wir ein grosses Know-how aufgebaut. Oder wir lassen Roboter Wände produzieren, wie man sie von Hand gar nicht herstellen kann. Anders gesagt: Ich glaube nicht daran, dass es noch einmal fünf Generationen Keller geben kann, die nur Backsteine produzieren.

BE: Sie gestalten gerade aktiv den Generationenwechsel in Ihrem Familienunternehmen und schenken den Innovationen hohe Aufmerksamkeit. Was sind Ihre Erfolgsfaktoren, gerade auch wenn Sie diese einem Unternehmer in einem ähnlichen Feld beschreiben würden?
CK: Ein Unternehmer ist dann erfolgreich, wenn er den Gesamtblick hat. Wenn er den Markt kennt, ein guter Führer ist und von dem, was er macht, etwas versteht. Leider sind viele Produktionsbetriebe marktseitig eher schwach, obwohl sie von sich sagen, dass sie den Markt kennen. Sie haben nicht selten einen Tunnelblick – man blendet gern aus, was unangenehm ist, Entwicklungen, die gegen das Geschäft laufen.

BE: Glauben Sie, dass diese Eigenschaften eher persönlicher Natur sind oder auch mit intellektuellen Fähigkeiten zu tun haben?
CK: Ich glaube schon, dass es dazu einen gewissen Intellekt braucht. Nur mit Bauernschläue allein kommt man nicht weiter, vor allem dann, wenn man ins Rudern kommt. Da finde ich es persönlich sehr wichtig, Sparringpartner zu haben. Denn ich bin davon überzeugt, dass man wichtige und innovative Dinge nicht allein durchdenken kann. Man braucht ein Team um sich herum, auf das man zählen kann, zu dem man Vertrauen hat und dessen Ideen man akzeptiert. Ich weiss, dass das nicht einfach ist. Gerade in kleineren Unternehmen rennt der Chef dem Tagesgeschäft hinterher und ist meist total überlastet. Er ist nicht in der Lage, sich einmal eine Auszeit zu nehmen und über Zukünftiges nachzudenken. Ich persönlich möchte, dass es viele Leute in meiner Umgebung gibt, die besser sind als ich. Beispielsweise meinen Assistenten: Er ist in vielen Bereichen besser ist als ich und leitet heute die Ziegeleien. Mit ihm kann ich strategische Diskussionen führen, kann mich weiterentwickeln. Natürlich ist das eine Investition, aber sie ist ihren Preis wert.
BE: Sie beschreiben damit, dass Visionen nicht auf Knopfdruck entstehen, sondern Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses sind. Gilt das auch für Ihr Innovationsmanagement?
CK: Ja. Ich gebe im Innovationsmanagement zwar den grossen Rahmen vor, lasse dann aber viel Freiraum für Entwicklung. Das ist ein bisschen mutig und kostet auch Geld, denn es sind ja nicht die billigsten Leute, die an dieser Stelle sitzen. Doch sie hatten im letzten Jahr unglaublichen Erfolg. Ein neues Produkt wurde entwickelt, eines fertig erstellt. Der Experte, der diesen Bereich leitet, hat ganz ohne Druck Grossartiges erreicht, obwohl er an seiner früheren Position ein Burn-out erlitt. Dieser Erfolg treibt natürlich an und macht uns glücklich.
BE: Sie haben ein hohes Bewusstsein dafür, wo investiert werden muss, im Wissen, dass der Return on Investment auf sich warten lässt.
CK: Und zugleich im Wissen, dass es sich dann auch anders entwickeln kann. Mein Assistent bekommt in ein paar Monaten eine völlig neue Rolle. Da tat sich plötzlich eine Gelegenheit auf. Solche Gelegenheiten sind extrem spannend, aber dafür muss man offen sein. Man muss den Mut haben, diese Dinge anzupacken und dabei zu priorisieren, denn man kann nicht alles gleichzeitig tun. Da helfen das grosse Bild und das Vertrauen auf die Dinge, die sich ergeben. Und natürlich immer wieder Distanz. Ich will mich aus dem Alltagsgeschäft heraushalten. Dafür braucht man aber die richtigen Leute an der richtigen Position.

BE: Die Schlussfrage an meine Interviewpartner lautet jeweils: Wenn Sie einen Liebesbrief an Ihr Leben schreiben würden, welche zwei Sätze stehen da ganz sicher drin?
CK: Also das ganz bestimmt: Liebes Leben, ich danke dir für die Möglichkeiten, die ich packen konnte. Und ich danke dir, dass ich arbeiten und etwas erreichen kann, mit Menschen zusammen, die die gleichen Ziele haben wie ich. Und ganz wichtig: dass ich die Möglichkeit habe, etwas zu tun, was Freude und Spass macht.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

(aufgezeichnet im März 2014 im den neuen Firmenräumen der Keller AG Ziegeleien;
 Fotos im Interview: Keller AG Ziegeleien)
Christian Keller wurde in eine Bierbrau-Backstein-Dynastie geboren und wollte als frischgebackener Maturand vor allem eines: Medizin studieren. Im Mövenpick Kloten kam es zu einem geschichtsträchtigen Mittagessen und den richtungsweisenden Sätzen seines Vaters: «Schau, Christian, Medizin kommt überhaupt nicht infrage. Du kannst irgendetwas studieren, aber du musst einfach an die ETH!»
In den folgenden Jahren studierte der zukünftige Unternehmensführer an der ETH Materialwissenschaften und sammelte dort wesentliche Grundlagen für den technischen Fortschritt der Keller Ziegeleien. Später kam ein Executive MBA der HSG dazu. 1995 trat Christian Keller in fünfter Generation in den Familienbetrieb ein und übernahm zwei Jahre später die Leitung der Ziegeleien.
Auch wenn die Materialwissenschaften nicht Liebe auf den ersten Blick waren, entwickelte er während der Studienjahre eine Leidenschaft für die biokompatiblen Werkstoffe und sah gleichzeitig die Chance, das Familienunternehmen zu führen. In der ETH-Zeit lebte Christian Keller, der bei seiner Mutter in Klosterrs aufgewachsen war, bei seinem Vater. Fortan wurde viel über das Unternehmen gesprochen, und Peter Keller zeigte seinem Sohn täglich, mit welcher Inbrunst und welchem Einsatz er das Geschäft leitete.

In seiner Freizeit beschäftigt Christian Keller sich am liebsten mit Tennis, Golf, Hochseesegeln und Skifahren.
Copyright © 2014 BplusE Beratung plus Entwicklung GmbH, All rights reserved.


unsubscribe from this list    update subscription preferences 

Email Marketing Powered by Mailchimp