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Aufmachen! | Gruppenangebot 2016 | Neue Räume



Infobrief 3 | 2015

Aufmachen!

Der, die, das Fremde klopft an.

Der neue Freund der Tochter kommt das erste Mal zu Besuch. Die Kellnerin im Urlaub spricht weder deutsch noch englisch. Meine Frau findet ganz andere Sachen wichtig als ich.
Dauernd begegnen uns Situationen, Menschen, Dinge, die uns fremd sind. Damit können wir umgehen. Es kann sogar ausgesprochen anregend sein. Kein Problem.
Die Kollegin in der anderen Abteilung hat psychische Schwierigkeiten. Manchmal habe ich ganz seltsame Gedanken, von denen ich niemandem erzähle. Hunderte von Flüchtlingen sind jetzt bei uns in der Nähe untergebracht. Dauernd begegnen uns Situationen, Menschen, Dinge, die uns fremd sind. Damit können wir nicht umgehen. Es kann sogar ausgesprochen unangenehm sein. Was ist das Problem?
 
Wo liegt die Grenze zwischen dem einen und dem anderen Fremden? Warum dulden oder suchen wir das eine und meiden oder bekämpfen das andere? Dazu drei Thesen und drei zutiefst christliche Hilfsmittel:

 
1. Ich will nicht scheitern
Wir suchen uns kalkulierbare Abenteuer, machbare Herausforderungen. Wenn absehbar ist, dass wir das Neue bewältigen können, dass sich die Mühe lohnt, dann strengen wir uns an, finden gute Gründe und freuen uns darauf. Alles bleibt unter Kontrolle. Hier sind die Einschätzungen von Person zu Person zwar sehr unterschiedlich. Wenn aber die Gefahr zu groß ist, dass wir am Ende als Verlierer dastehen, als Gescheiterte, wenn wir zugeben müssten, dass wir etwas nicht geschafft, die Kontrolle verloren haben, dann meiden wir das Risiko. Das ist oft vernünftig (sagt jedenfalls manche Mutter, wenn es um Extremsportarten geht). Wenn es aber um Menschen geht, die unsere Hilfe brauchen, um Ungerechtigkeit oder auch um seelische Entwicklungen, die bei uns persönlich anstehen, dann steht unsere Angst uns im Wege – und verhindert Notwendiges.
Hier hilft natürlich jede Art von Ermutigung. Es helfen Menschen, die uns erzählen, wie sie es geschafft haben, es helfen Erinnerungen an vergangene Situationen, die wir bewältigt haben es hilft die Vorstellung von dem möglichen Erfolgserlebnis. Was aber noch viel hilfreicher ist, ist ein grundsätzlich gnädiger Umgang mit uns selbst: Ich darf auch scheitern. Ich darf Fehler machen, ich darf auch mal durchfallen. Macht nichts. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Gnade!
 
 
2. Ich will nichts verlieren
Solange das Fremde etwas Neues ist, das wir uns erschließen, erleben wir es als Bereicherung und geben sogar viel Geld dafür aus. Aber auch, wenn wir gefordert sind zu geben, ist das kein Problem, solange uns das Fremde nicht zu nahe kommt. Wir spenden, was wir übrig haben, geben ab, was wir nicht mehr brauchen (endlich wieder Platz für was Neues im Kleiderschrank!). Das tun wir gern, denn es gibt uns neben dem schlechten Gewissen, dass wir unverdient Privilegierte sind, vor allem das gute Gefühl, geholfen zu haben. Wie gut, dass Gutes tun gut tut!
Wenn wir aber von dem geben sollen, was wir zu brauchen glauben, worauf wir „einen Anspruch haben“, dann wird es knifflig. Oder sogar skurril, wenn wohlgenährte und gut gekleidete Menschen mit leichter Panik in den Augen über Menschen als Bedrohung sprechen, die alles, was sie hatten, im Krieg zurücklassen mussten und nun mit dem Nötigsten versorgt werden sollen. Wenn jede Erinnerung an das eigene Flüchtlingserbe sich in selbstgerechter Amnesie auflöst. Das Fremde ist in diesem Fall die Fantasie von einem ganz anderen, schwereren Leben, von Verzicht, von einem Unglück, das unsere sicheren Ufer überflutet.
Hier helfen natürlich Informationen und eine nüchterne Einschätzung der Lage. Es helfen Menschen, die sich auskennen, die uns von konkreten Erfahrungen anstelle von diffusen Befürchtungen berichten können. Was aber noch viel hilfreicher ist, ist ein anderer Blick auf das, was ich selbst habe: Es ist ein Geschenk, ein Segen, es ist mir zugefallen, anvertraut. Was dann sichtbar wird, ist der Motor für ein heilsames Geben und Nehmen, bei dem es auf beiden Seiten Gewinner gibt: Dankbarkeit!
 
 
3. Ich will nicht schuldig sein
Das Fremde ist uns solange recht, wie es uns in Ruhe lässt. Solange es ein interessantes Studienobjekt, eine spannende Erfahrung ist. Oft aber ist uns das Fremde gar nicht so fremd, wie wir es gern hätten: Die psychisch kranke Kollegin erinnert uns an den Onkel, um den wir uns eigentlich kümmern sollten. Oder an die eigenen Unzulänglichkeiten, mit denen wir unseren Mitmenschen manchmal auf die Nerven gehen. Die Flüchtlinge an Europas Grenzen erinnern uns daran, dass unser Reichtum nicht zuletzt auf der Ausbeutung ihrer Heimatländer beruht. Oft transportiert der, die, das Fremde etwas, was nicht in unser Selbstbild passt, was auf unsere dunklen Seiten, unsere Schuld oder unsere Verstrickung in ungerechte Systeme zu tun hat. Reflexartig wehren wir es ab, halten es uns von Leib und Seele. Vorgefertigte Urteile kommen da sehr gelegen, beruhigendes Halbwissen, das die Schuld bei anderen lässt (bevorzugt: „die Politiker“).
Hier helfen natürlich Aufklärung und Selbstreflexion. Eine nüchterne Bestimmung des eigenen Einflussbereiches, der oft größer ist, als wir denken. Was aber noch viel hilfreicher ist, ist die Versöhnung mit den eigenen dunklen Seiten, ein unerschrockener und freundlicher Blick auf die eigene Unvollkommenheit, auf die der anderen und die Vorläufigkeit aller menschlichen Versuche, die Welt zu gestalten. Versöhnung!
 
 
Angesichts des Fremden vor unserer Tür helfen Gnade, Dankbarkeit und Versöhnung, unsere Angst, Enge und blinden Flecken zu überwinden. Damit wir die Türen aufmachen können, um zu tun, was nötig ist und über uns hinaus zu wachsen.
Überall dort, wo Nächstenliebe gefragt ist, gilt es, innere Hürden zu überspringen. Manchmal braucht es Mut, um einen Gedanken, einen Impuls zur Hilfe in die Tat umzusetzen. Gefangene besuchen, Kranke und Alte versorgen, Flüchtende beherbergen, Schwachen beistehen – all das kann uns mit dem Fremden konfrontieren. Zum Glück ist nicht immer der Heldenmut des Samariters nötig, der seine eigene Sicherheit riskiert und in einem einsamen Entschluss dem hilft, der unter die Räuber gefallen ist. Viel häufiger können wir Nächstenliebe gemeinsam planen, umsetzen und tragen. Der erste Schritt ist oft das Gespräch – Reden hilft handeln.

Den Helfenden helfen
Die Christliche Beratung Kiel will dazu beitragen, dass Flüchtlinge in unserer Stadt dauerhaft willkommen sind. Dazu wird es auch in Zukunft ehrenamtlich engagierte Menschen brauchen, die ihre Zeit und Kraft zur Verfügung stellen. Damit diese Ehrenamtlichen ihre Kräfte nicht verschleißen, sondern sich dauerhaft einbringen können, bieten die Mitarbeitenden der Beratungsstelle allen ehrenamtlichen Helfern, die Chancen und Grenzen ihres Engagements bedenken oder über belastende Erlebnisse in ihrem Ehrenamt sprechen möchten, ein kostenloses Beratungsgespräch an.
Melden Sie sich telefonisch unter 0431-9066432.
 

Den Reichtum des Alltags ausschöpfen, ohne zu erschöpfen

Gruppenangebot ab Januar 2016

Acht Abende sollen Menschen gut tun, die vom Alltag geplagt, in der Routine gestrandet oder von Konflikten genervt sind. Orientierung, Ausrichtung, Aufrichtung und Austausch unter der kundigen Anleitung von zwei Frauen aus verschiedenen Generationen (Ruth Müller und Ulrike Struve) sind das Ziel dieses Gruppenangebots. Den Reichtum des Alltags ausschöpfen, ohne zu erschöpfen. Die Themen der Abende sind:
 

  1. ich bin wer(t) was mich einzigartig macht
  2. ich genieße das Leben was meine Welt einzigartig macht
  3. ich setze Grenzen nein sagen lernen in Beziehungen
  4. ich übernehme Verantwortungsich selbst führen lernen
  5. ich öffne meine TürGastfreundlichkeit, Nähe und Distanz
  6. ich stehe zu mirKonflikte fair austragen
  7. ich renoviere michweniger ist mehr im Haus und im Kalender
  8. ich weiß, was gut istwelche Werte tragen mich?

 
Die Gruppe ist halboffen und fortlaufend, d.h. ein Einstieg ist zum ersten oder zum 5. Abend möglich. Kosten für 8 Abende: Die Kosten belaufen sich auf € 160, Ermäßigungen für Geringverdiener sind möglich.

Anmeldung und Infos unter Tel.: 0431-9066432
 

Neue Räume am Horizont

10 Jahre lang war die Christliche Beratung Kiel zu Gast in der Wilhelminenstraße, in den Räumen der Ev.-freikirchlichen Gemeinde. Fast ohne Kosten, dafür aber mit großer Freundlichkeit, konnten wir in zwei Gemeinderäumen Beratungen durchführen – über 1000 Menschen sind dorthin gekommen. Wir sind sehr dankbar für diese Zeit!

Mit der wachsenden Zahl der Beratungen wurden auch die Grenzen dieses Modells deutlich: Wir haben keinen Wartebereich, der Zugang zu den Toiletten ist kompliziert, ein aktives Gemeindeleben (Winterspielplatz, Band, Orgel…) ist akustisch nicht immer vereinbar mit sensiblen Beratungssituationen. Deshalb waren wir schon eine Weile auf der Suche nach einer finanzierbaren Alternative. Jetzt haben wir sie gefunden – vielmehr fiel sie uns fast in den Schoß, was wir als Segen verstehen: Mit dem Umzug der Apostelkirchengemeinde in die Petrus-Kirche wird auch die Wohnung in der Eckernförder Str. 61 frei, die bislang als Gemeindebüro dient. Der Kirchengemeinderat der Apostelkirchengemeinde hat beschlossen, diese Räume zukünftig an die Christliche Beratung Kiel zu vermieten. Größe, Lage und die rollstuhlgerechten Zuwege machen sie zu einem geradezu idealen Ort für unsere Arbeit. Wir sind sehr froh!
Durch eine gemeinsame Nutzung eines Büroraumes lässt sich die Miete auch in realistischen Grenzen halten. Dennoch werden wir hier auf weitere Spenden angewiesen sein - und freuen uns über jegliche Unterstützung. Falls Sie damit allerdings nicht bis zum nächsten Jahr warten mögen, weisen wir Ihre Spenden auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zurück.
 

Bitte unterstützen Sie uns!
Nicht alle Menschen können sich eine Beratung leisten. Machen Sie mit uns Beratung möglich, wo sie gebraucht wird.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 
Evangelische Bank
IBAN DE20 5206 0410 0006 4069 80
BIC GENOD Ef1 EK1

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Christliche Beratung Kiel e.V.
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24103 Kiel

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