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Newsletter von Hands-with-Hands April 2016
 
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Wie sieht es in Nepal ein Jahr nach dem Erbeben 2015 aus?
 
 
Ich bin dankbar dafür, dass ich genau zum Zeitpunkt des Erdbebens der Stärke 7.9 am 25. April 2015 in Nepal war. Es war zwar schockierend und traumatisch die enormen Auswirkungen des Bebens direkt zu spüren, und gleichzeitig verlieh es mir ein tiefes Mitgefühl und Verständnis um das Ausmaß der physischen Zerstörung und der psychologischen Konsequenzen.
 
Einzelheiten zu unseren Unterstützungsleistungen finden sich auf unserer News-Seite:
http://www.handswithhands.com/de/news-und-events.html

Seitdem habe ich insgesamt fast 6 Monate in Nepal verbracht. Indem ich die erstaunliche Resilienz der Nepalesen, ihre Freundlichkeit und ihre Hilfsbereitschaft mitten im Leid, beobachten durfte, wuchs meine Liebe zu dem Land und seinen Menschen. Zugleich schmerzt es sehr das Chaos und die Handlungsunfähigkeit von Seiten der Regierung, der INGOs, der privaten und lokalen Initiativen  beim Wiederaufbau zu erleben. Die Umstände sind einfach sehr kompliziert.

Der Verwaltungsbereich Sindhulpalcho, in dem ich seit 15 Jahren mit wachsender Liebe mit Neel Shahi (TEAM Nepal) an verschiedenen Projekten zusammenarbeite, war eine der am meisten vom Erdbeben betroffenen Regionen. 85% der Wohnhäuser und Schulen waren völlig zerstört.
 
Es ist eine Herausforderung Freunde hierher zu Besuch mitzubringen. Ich zeige ihnen die Wellblech Unterkünfte und Zelte, die den Leuten vom Dorf vorläufig zum Wohnen dienen. Ich deute auf die Steinberge, auf denen schon das Unkraut wächst, und erkläre, dass dies die früheren Wohnungen, Schulen und Geschäfte waren. Ich erläutere, dass die großen Schutthalden an den Berghängen durch Erdrutsch entstanden sind. Der Erdrutsch wurde von Nachbeben ausgelöst. Er hat ganze Dörfer verschoben, Straßen bedeckt und Zugangswege abgeschnitten. Ich erkläre, dass viele Wasserstellen in Folge der Erdbewegungen ausgetrocknet sind. Dies führt dazu, dass das tagtägliche Leben und der Anbau von Nahrungsmitteln schwieriger wurden und mehr Zeit beanspruchen. Ich weise darauf hin, dass es wegen der Schäden an der Infrastruktur oft nur 8 Stunden am Tag Strom gibt.
 
Temporary Homes
Sindhulpalchok
Temporary school
Sindhuli
Former Home
Sindhulpalchok
Ich habe von vielen Nepalesischen Freunden gehört, die ihr Zuhause und ihre Familienangehörigen verloren haben. Viele haben ihren persönlichen Besitz, wichtige Dokumente und anderes im Schutt und Staub verloren. Dennoch bleibt das Lächeln und die Bereitschaft wieder aufzubauen, selbst wenn der Schmerz und die Verunsicherung in ihren Augen zu sehen ist.
 
Es muss extrem viel wiederaufgebaut werden. Und der Wiederaufbau hat gerade erst begonnen. Hunderte, Tausende werden einen weiteren Monsun in provisorischen Unterkünften erleben. Jetzt sehen die Unterstände und Zelte schon eher wie ein Zuhause aus, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es im Sommer dort stickend heiß und im Winter beißend kalt ist. Die Menschen laufen oft stundenlang, um Wasser fürs Überleben zu holen. Viele haben saisongemäß gesät und gepflanzt. Wenn man sie fragt, wie es ihnen geht, antworten sie oft mit einem breiten Lächeln: “ke garne?” – „was sollen wir machen“ und machen weiter.
 
Die führenden Seismographen sind sich darin einig, dass es mit großer  Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren ein weiteres großes Erdbeben gibt. Nach meiner Einschätzung werden die Folgen des nächsten Bebens weitaus katastrophaler sein. Deshalb konzentriere ich mich auf einen erdbebensicheren Wiederaufbau.

Unsere erste praxisnahe Ausbildung, die zu einem erdbebenbeständigen, ökologischen Wiederaufbau befähigen soll, hat begonnen. Im Rahmen der Ausbildung werden acht Klassenzimmer der höheren Mittelschule in Naryansthan (Naryansthan Higher Secondary School), sowie exemplarisch als Prototyp ein Wohnhaus gebaut. Wir bauen das Schulgebäude mit aus Erde gepressten Bausteinen, die aus Schlamm und Sand aus der Region hergestellt werden. Der Dachstuhl ist aus Bambus. Darauf werden wasserdichte Wellbleche ausgelegt. Der Wohnhaus-Prototyp wird mit Ingenieurs-Techniken, die Erdbebensicherheit garantieren, aus Steinen, die vor Ort gefunden werden, gebaut. Die von der Regierung  genehmigten Baupläne können in ganz Nepal umgesetzt werden. Es ist unser Ziel, das, was die Leute aus dem Dorf schon wissen und können, mit den neuesten modernen Techniken zu verbinden.

Unser erstes Projekt, der Prototyp, wird im Juni abgeschlossen sein. Direkt nach dem Monsun beginnen wir an einem anderen Ort mit dem zweiten Projekt. Wir werden auch weiterhin im Rahmen unserer Projekte ausbilden. Wir verfassen Bauanleitungen in der jeweiligen Sprache der Region und bauen berufsbildende Ausbildungszentren auf. Ich führe Gespräche mit jungen Menschen, um sie zu ermutigen, sich für die eigene Zukunft zu engagieren. All dies mögen, wenn man bedenkt, wie viel wiederaufgebaut werden muss, nur kleine Schritte sein; doch Gebirgsbewohner wissen, dass jeder Schritt zählt.
 
Für unsere Kinder im Dorf Sipadol dienen unsere DOMO Zelte weiterhin als sichere Unterkunft, während das Haus repariert wird. Die Kinder in Talamarang leben in einer DOMO Hostel für Schüler, dies ermöglicht deren Teilnahme an der Schule. Unsere verschiedenen langfristigen Initiativen: Kinderheime, Mikrokredite, Lehrgänge in Sachen Ackerbau, Computerräume und Bibliotheken für Schulen einwickeln sich weiter. Sie bereichern das Leben der Menschen in Nepal. Es ist wirklich ein Geschenk, die zunehmende Qualität, Kraft und Unabhängigkeit der Menschen beobachten zu können.
 
Ich liebe Nepal: die Kultur, die Natur, den Gemeinschaftssinn und die Menschlichkeit, die wir in unsere westliche Kultur manchmal aus den Augen verloren haben. Das offene Herz der Menschen in Nepal inspiriert mich.
 
Ich ermutige Sie vom Herzen, Nepal zu besuchen. Wenn Sie im Auge behalten, dass Sie ein Land besuchen, das erst vor kurzen eine gewaltige Naturkatastrophe erlebt hat, werden sie sich entsprechend verhalten können und für ihre Sicherheit sorgen können. Sie werden mit der Reise einen Beitrag für die - für das Land sehr nötige -Wiederbelebung der Wirtschaft leisten. Reisen nach Nepal, - sei es als Tourist oder Abenteurer - können dem Land helfen, sich zu stabilisieren. Wenn Sie geschäftlich orientiert sind, möchte ich Sie dazu ermutigen, über eine mögliche Zusammenarbeit mit Nepal nachzudenken. (Nepalesische Teppiche und Handarbeiten sind weltberühmt.)
Weitere Beben sind sehr wahrscheinlich. Wenn Sie gesundheitliche Bedenken haben oder eher ängstlich auf solche Situationen reagieren, gibt es vielleicht andere Wege für Sie, Unterstützung anzubieten.

Ein ganz großes Dankeschön an alle, die uns im letzten Jahr seit dem Beben geholfen haben. Ich habe den aufrichtigen Wunsch, dass Sie mit uns in Kontakt bleiben und uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen, unsere Arbeit in Nepal kontinuierlich fortzusetzen.
Herzliche Grüße, Kira

Herzliche Grüße, dicke Umarmungen und viel viel Liebe!
Kira Kay
(Gründerin von Hands-with-Hands)
Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende:
http://www.handswithhands.com/de/spenden-eine-bessere-zukunft-gestalten.html
Für die weitere Updates
http://www.handswithhands.com/de/news-und-events.html
 
Mein eigener Beitrag und meine Arbeit in Nepal sind unbezahlt. Die Kosten, die durch meine Arbeit in Nepal entstehen, trage ich aus eigener Tasche. Dasselbe gilt für den Beitrag der vielen anderen Freiwilligen, die ihre Zeit und andere Ressourcen einsetzen, um die Hands-with-Hands-Projekte in Nepal zu unterstützen. Das heißt, abgesehen von wenigen, sehr grundlegenden Verwaltungskosten kommen alle Spenden direkt in Nepal an.
 
Our mailing address is:
Hands-with-Hands
Neumann Str. 132
Berlin 13189
Germany

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