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Erntedank + Klosterfrauen + FCZ
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
26.10.2018
Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur
Liebe Leserin, lieber Leser
Nun geht der Jahrhundertsommer doch zu Ende, mit Nässe und Nebel zieht der kühle Herbst ins Land und über den See. Es beginnt eine Zeit, die weniger zum Blick in die Weite einlädt, die unsere Sinne vom fernen Horizont nach innen leitet. Nehmen wir diese Einladung an, nehmen wir wahr, was in der Nähe geschieht, im Kleinen, im Unscheinbaren.
 
Vielerorts wird diesen Sonntag Erntedank gefeiert, oder wurde es schon am letzten. Die Ernte fiel heuer ja reichlich aus, wenn ich an meine vollen Obstfässer denke, die auf den Brennmeister warten, an die Regale mit Eingemachtem und die duftenden Äpfel im Keller. Kirchlich betrachtet ist die Versuchung gross, von Missernte zu sprechen. Ein dunkler Schatten schwebt über uns, frostig ist das Klima schon lange. Der weltweite Missbrauchskandal lähmt, schockt und entsetzt uns viel nachhaltiger, als es uns heute vielleicht bewusst ist.
 
Konzentrieren wir auch hier den Blick aufs Nahe, so zeigt sich unter dem dunklen Schatten doch ganz viel Wertvolles, behutsame kleine Lichter im Alltag, die aber das Leben von uns allen ausmachen. Grund genug, diesen Newsletter einem einzigen Thema zu widmen, dem Dank für diese Momente des Lichts und der Wärme.
Mein erster Dank gilt den mutigen Schwestern vom Kloster Fahr, die Flagge bekennen und unerschrocken für mehr Frauenrechte in der Kirche einstehen. Ihr Bild geht um die Welt, beflügelt auch andere Ordensfrauen, aufzustehen und unüberhörbar längst überfällige Reformen einzufordern. So gerade auch Oberinnen von 34 Frauengemeinschaften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Bedenkenswert, was sie in ihrem Appell sagen: Dass die Erfahrung, gegenüber ihren Gemeinschaften rechenschaftspflichtig zu sein, die zeitliche Begrenzung ihrer Amtsdauer sowie ihre Wahl ins Amt durch alle Mitglieder der Gemeinschaft ein Geschenk sei. Quasi das Gegenmodell zur männlich-absolutistischen Leitungsmacht durch Papst und Bischöfe. Danke, Ihr Schwestern vom Fahr, für Euer Vorangehen! Hoffen wir, dass irgendwann auch die Brüder folgen.
Dank gebührt auch Rosa Gutknecht und Elise Pfister, den ersten reformierten Pfarrerinnen Zürichs und der Schweiz. Frauen auf der Kanzel waren auch in ihrer Kirche jahrhundelang nicht denkbar, heute sind sie nicht mehr wegzudenken. Am Sonntag um 10 Uhr findet anlässlich „100 Jahre Frauenordination“ ein Festgottesdienst in St. Peter statt und morgen, Samstag, diskutieren ab 14 Uhr in St. Peter Vertreterinnen verschiedener Religionsgemeinschaften über die Rolle der Frauen in den Religionen. Unter ihnen auch Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding. Trotz allem, es tut sich etwas. Danke!
Der nächste Dank geht in die Surselva. Dort starteten engagierte Gläubige die „Petition für die Liberalisierung des Zölibats“, nachdem ihr Pfarrer sein Amt aufgeben musste wegen seiner Liebe zu einer Frau. Gut, über den Titel könnte man diskutieren, aber das Anliegen ist ernstzunehmen. Und klar, in Rom wird diese Petition aus dem Bündner Bergdorf keinen Eindruck machen. Aber sie stärkt unsere Verbindung untereinander und bekämpft die schleichende Lähmung der Machtlosigkeit. Ich habe heute unterschrieben.
 
Dank für die Ernte des Lebens deutet aber auch darauf hin, dass dieses Leben endlich ist. Nicht ohne Grund gedenken wir in diesen Herbsttagen unserer Verstorbenen. Allerheiligen und Allerseelen stehen bevor. Psychiatrieseelsorgerin Sabine Zgraggen erzählt im Blog über den Umgang mit dem Sterben in der Klinik, von der behutsamen Betreuung durch Ärzte und Pflegepersonal, von den wertvollen Momenten des Abschiednehmens mit den Angehörigen. Besonders in Demenzabteilungen ein schwieriges und belastendes Thema. Aber eben auch und trotz allem ein Geschenk. Beim Sterben meiner Mutter in diesem Frühjahr durfte ich das selbst erfahren. Deshalb mein ganz persönlicher Dank all den Menschen, die Sterbende und ihre Angehörigen begleiten. Hier zeigt sich, was der Wert des Lebens ist.
Der Newsletter soll nicht enden, ohne auch der Multikulti-Truppe des FCZ für das grossartige Spiel des gestrigen Abends zu danken. Wunder sind eben doch möglich. Zumindest im Fussballstadion. Auch in der Kirche?
 
Ich wünsche Ihnen allen ein besinnliches Herbstwochenende und einen gesegneten Sonntag. Simon Spengler 

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