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Aids + Advent + Abtreibung
 
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
30.11.2018
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser
Hoch und heilig hatten Wissenschaftler weltweit versprochen, die Finger von der menschlichen Keimbahn zu lassen, auch wenn die Genschere CRISPR-Cas plötzlich ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Das war 2013. Keine fünf Jahre später definiert ein 34-jähriger Physiker im stillen Kämmerlein seine eigene Ethik und designt nach eigenem Gusto mehrere Kinder. Sein Ziel war es, die Kinder präventiv gegen AIDS zu immunisieren. Die Folgen? Nicht absehbar.

Befürchtungen, irgendeiner könnte sich im Alleingang zum Schöpfer erheben, haben sich bewahrheitet. Da kräuseln sich mir die Zehennägel nach hinten. Es ist auch ein herber Rückschlag für verantwortungsbewusste Forschung, die sich darum bemüht, mit Gentechnik therapeutische Methoden gegen AIDS zu entwickeln. Medizinisch sind im Kampf gegen HIV/AIDS viele Fortschritte zu verzeichnen – mitmenschlich fehlen leider solche Fortschritte, sind doch HIV-Betroffene zunehmender Diskriminierung ausgesetzt. Dies anno domini 2018.
Fackelumzug der hiv-aidsseelsorge 2017. Foto: Thomas Hediger
Unsere katholische hiv-aidsseelsorge wirkt still im Hintergrund. Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit tritt sie jeweils zum Welt-Aids-Tag anfangs Dezember. Unter dem Motto «Gemeinsam statt einsam» beginnt um 16 Uhr ein stimmungsvolles Programm in der Wasserkirche. Der traditionelle Fackelumzug führt in Stille zu Gedenksteinen für Verstorbene. Stellvertretend für viele andere danke ich hier dem Team der katholischen hiv-aidsseelsorge, dass es den HIV-Aidsbetroffenen eine Stimme und Hoffnung gebt!
Der Kantonsrat an seiner Sitzung im Rathaus Zürich. Foto: Aschi Rutz
Die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker im Kanton Zürich nehmen auch stilles Wirken der Kirchen sehr wohl wahr und anerkennen es. So hat das Kantonsparlament am 26. November die Jahresberichte der anerkannten Religionsgemeinschaften abgenommen und ohne Gegenstimme 300 Millionen Franken für die Jahre 2020–2025 für gesamtgesellschaftliche Leistungen der Kirchen bewilligt. Besondere Anerkennung sprach das Parlament für die grosse Freiwilligenarbeit aus.

Wir sagen: Danke für das Vertrauen. Und: Wir lassen uns von der Botschaft Jesu leiten und setzen uns weiterhin ein, wo es uns in der Gesellschaft braucht – zum Beispiel im Spital. Spitalseelsorgerin Nadja Eigenmann erzählt in ihrem Blogbeitrag „Anders über das Thema Abtreibung sprechen“ aus ihrem Alltag. Anstoss dazu gab Papst Franziskus, der die Entscheidung zu einer Abtreibung mit Auftragsmord verglich. Nadja Eigenmann sagt: «Es geht auch anders. Ich stehe dafür ein, dass Mütter und Väter, die sich gegen das Leben ihres ungeborenen Kindes entschieden haben, von niemandem verurteilt werden dürfen! Auch nicht von einer religiösen Instanz.»
Mit dem 1. Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Stimmungsvolle Rituale und Feiern laden zu Ruhe und Besinnung ein. Geprägt ist die Adventszeit von der Hoffnung, dass in dunklen Zeiten ein helles Licht aufleuchtet und verschlossene Türen sich öffnen. Mit jedem Tag wächst die Freude mehr, bis an Weihnachten Gott mit seiner Menschwerdung die Entfremdung zwischen Himmel und Erde überbrückt. «O Heiland reiss die Himmel auf», mein Lieblingslied im Advent, stammt zwar aus dem 17. Jahrhundert, erklingt aber bei vertiefter Betrachtung aktuell in unsere Zeit hinein.

Und in unser Bistum. Das Forum Priester der Diözese Chur, in dem sich über 80 Priester zusammengeschlossen haben, stellt fest, dass in den letzten Jahrzehnten das Misstrauen zwischen Diözesanleitung, Seelsorgenden und kirchlichen Mitarbeitenden sich zunehmend verstärkt hat. «So kam es in unserem Bistum auch zu einer wachsenden Entfremdung zwischen einem grossen Teil der Gläubigen und der diözesanen Kirchenleitung», schreiben sie in einer Mitteilung – und rufen auf, für einen verbindend und versöhnend wirkenden neuen Bischof zu beten. Dem schliesse ich mich an und wer weiss: vielleicht erleben wir im Frühling 2019 Weihnachten und Ostern gleichzeitig…

Im Namen des ganzen Kommunikationsteams wünsche ich Ihnen einen besinnlichen 1. Adventssonntag und dann adventliche Impulse als Nahrung für die Seele. Zum Beispiel auf Instagram, wo wir ab dem 1. Adventssonntag unter @zhkath Bilder und Gedanken teilen.

Arnold Landtwing

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