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Gedenken + Mitgefühl + Verpflichtung

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
09.11.2018
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Die Schweizer Juden gedenken dieser Tage der Reichspogromnacht. So fand auch in Zürich eine Gedenkfeier statt, die uns Verpflichtung sein soll «all unsere Kraft in Toleranz umzusetzen», wie es gestern am offiziellen Anlass in der Synagoge Löwenstrasse ein Zeitzeuge ausdrückte.

In einer Erklärung von Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und Generalvikar Josef Annen zum Gedenken an die Reichspogromnacht und zur Verantwortung der Religionsgemeinschaften drückt die Katholische Kirche im Kanton Zürich den jüdischen Gemeinden in Zürich ihr Mitgefühl aus. «Wir trauern mit ihnen über das unermessliche Leid. Gemeinsam mit ihnen und allen Menschen guten Willens verpflichten wir uns, alles zu tun, dass ein solches Verbrechen nie wieder geschehen kann. … Als Christen blicken wir auch mit Scham zurück auf jene unheilvolle Zeit. Die christlichen Kirchen hätten damals viel mehr tun müssen und auch tun können, um jüdischen Flüchtlingen zu helfen, um die offizielle Schweiz zur Umkehr ihrer Politik der geschlossenen Grenzen zu bewegen.»
Brennende Synagoge von Baden-Baden. Foto: Yad Vashem
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland jüdische Synagogen und Geschäfte verwüstet und jüdische Menschen gejagt. Die «Reichskristallnacht» war der Auftakt zum systematischen Massenmord der Nazis an über sechs Millionen Juden. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen dieses Nazi-Terrors. Walter Strauss (96) ist einer von ihnen und gibt in der NZZ von heute zu Protokoll: «Ich glaube nicht, dass die Menschen aus der Geschichte lernen und gescheiter werden. Ich bin Realist. Der Weg von der Zivilisation zur Barbarei ist kurz.»
Wer mit wachem Auge in die Welt blickt, muss ernüchtert feststellen: Der Antisemitismus ist tatsächlich wieder auf dem Vormarsch, die populistische Hetze gegen fremde, andersfarbige und andersdenkende Menschen breitet sich aus, gewalttätige Übergriffe sind an der Tagesordnung. Auch gegen Flüchtlinge und Frauen.
Flüchtlingsfrauen im Caritas-Ferienlager. Foto: Ursula Markus 
Umso bedeutsamer, dass gerade diese Woche die im Schweizerischen Rat der Religionen vertretenen christlichen Kirchen gemeinsam mit den muslimischen Gemeinschaften und dem Israelitischen Gemeindebund eine Erklärung zur Flüchtlingsfrage veröffentlich haben.
Zum ersten Mal haben Juden, Muslime und Christen in der Schweiz Stellung zum Schutz von Flüchtlingen genommen. Sie fordern ihre Mitglieder, die Politik und den Staat mit fünf Appellen auf, angesichts von weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht für die Bedürfnisse von Flüchtlingen Verantwortung zu übernehmen.
Vor rund einem Jahr startete unter dem Hashtag «MeToo» eine weltweite Debatte über sexuelle Belästigungen und Übergriffe. Nächste Woche kommt mit dem Schweizer Dokumentarfilm «Female Pleasure», mit unterstützt von Katholisch Zürich, ein Werk von der Zürcher Regisseurin Barbara Miller in die Kinos, das die Macht der Männer über Frauen ins Zentrum stellt. Die Autorin der Titelgeschichte von bref, dem Magazin der Reformierten, hat den Film gesehen und geht dem Vorwurf nach, was es mit der Frauenfeindlichkeit der Religionen auf sich hat. Der katholische Redaktionsleiter Oliver Demont dazu in seinem Vorwort: «Die Erkenntnis, dass religiöse Traditionen weibliche Lust tabuisieren, ist alles andere als neu. Dumm nur, dass auch säkulare Gesellschaften es nicht geschafft haben, sich vom Patriarchat loszusagen.»
Schriftsteller Pedro Lenz in der Helferei. Foto: Simon Spengler
Zum Schluss noch der Hinweis auf ein paar ausgewählte Anlässe, die Sie an diesem Wochenende bestimmt verpassen, wenn Sie sich nicht aus dem Haus bewegen:
Am Samstag und Sonntag lädt die Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich im Rahmen der «Woche der Religionen» zum Tag der offenen Moscheen im Kanton Zürich. Die Zürcher Fotografin Vera Markus porträtiert am Sonntag mit Inge Ginsburg eine der letzten jüdischen Zeitzeuginnen, um 15.15 Uhr mittels einer Audioslide-Show im Forum Schlossplatz Aarau. Ebenfalls am Sonntag: Schriftsteller Pedro Lenz predigt ab 10 Uhr im Zürcher Grossmünster und die Vernissage zum Buch von Priester Markus Weber mit allen 117 katholischen Kirchen im Kanton Zürich in Dübendorf beginnt um 16 Uhr.
 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende und grüsse Sie herzlich
 
Aschi Rutz

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