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Franziskus  + Frauen  + Streik

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
24.05.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Wir begrüssen Sie an dieser Stelle jeweils mit «Grüss Gott». Diesen Gruss hat am letzten Montag auch der von Papst Franziskus ernannte Apostolische Administrator des Bistums Chur, Bischof Peter Bürcher, an alle, «die in den Kantonen der Diözese Chur leben, unabhängig von ihrer Religion und ihrem Glauben», gerichtet. Weiter schreibt Bürcher in seiner Botschaft: «Ich bin nun Ihr Diener. Ich will Ihnen zuhören. Ein Diener hört zu, um besser dienen zu können.»
Die Katholische Kirche im Kanton Zürich hat diesen Ball aufgenommen, begrüsst in ihrer Stellungname den neuen Administrator und reicht ihm die Hand «für den Versöhnungsprozess, der in unserem Bistum dringend notwendig ist. … Gemeinsam wollen wir mit ihm zum Wohl des Volkes Gottes zusammenarbeiten. … Unsere Türen stehen offen für einen zukunftsgerichteten Dialog und einvernehmliche Schritte im bewährten dualen System der Katholischen Kirche im Kanton Zürich».
Darauf lässt sich meiner Ansicht nach aufbauen: Der gegenseitige Wille, das Gegenüber zu respektieren, ihm zuzuhören und dem Wohl der Menschen im Bistum Chur und darüber hinaus zu dienen, stimmt zuversichtlich. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen verschiedenste Medienberichte, die an der Offenheit des Administrators mehr als zweifeln. Peter Bürcher sei ein Verbündeter Huonder’s, habe wie dieser klare Vorbehalte gegen demokratische Strukturen des dualen Systems von innerkirchlichen und staatskirchenrechtlichen Instanzen, sei vom damaligen Bischof Bernard Genoud 2004 abrupt aus dem Amt entlassen und drei Jahre von Papst Benedikt XVI. ohne Angabe von Gründen als Bischof nach Reykjavik geschickt worden. Spätestens am 7. Juni will Bürcher vor die Mikrofone treten. Wir hören ihm gerne zu.
Einen neuen Bischof haben wir mit dem Administrator noch nicht. Aber mit dem Administrator hat Papst Franziskus das Heft in die Hand genommen, wie alt Bundesrichter Giusep Nay in einem Leserbrief festhält. Und die Erwartungen sind nicht kleiner geworden, wer in der Zeitschrift aufbruch den Kommentar von Erwin Koller liest. Was im Moment gilt: Gemäss Dekret von gestern bleibt in den kommenden Monaten alles beim Alten und Vitus Huonder’s Amtszeit als Churer Bischof ist definitiv abgelaufen.
Der abgetretene Bischof hat nochmals bestätigt, was andere in Zweifel gezogen haben. Sein neuer Wohnsitz ist definitiv das Priesterhaus der Piusbruderschaft. Entwaffnend klar auch seine Beweggründe für diesen Schritt: Der bestehe «allein darin, sich dem Gebet und dem Schweigen zu widmen, ausschliesslich die traditionelle Messe zu feiern und für die Tradition zu wirken, worin er das einzige Mittel zur Erneuerung der Kirche erkennt». Dieses Vermächtnis passt wie die Faust aufs Auge des Papstes, der sich in seinem nachsynodalen Schreiben «Christus Vivit» direkt an die Jugend wendet: «Bitten wir den Herrn, er möge die Kirche von denen befreien, die sie alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen.» (CV 35) Wer noch nichts unter dem Kopfkissen liegen hat, klicke sich in diesen Blog.
«Wenn Frau will, steht alles still, auch in der Kirche.» Getragen von der Hoffnung, die nie stirbt, haben viele Frauen (und Männer) bereits Zeichen gesetzt, weitere folgen: Immer mehr Katholikinnen und Katholiken wollen nicht schweigen zum Zustand ihrer Kirche. So nehmen u.a. in den Pfarreien Johannes XXIII (Kirchgemeinde Uster) und Benignus (KG Pfäffikon) sowohl das Seelsorgeteam als auch der Pfarreirat mit deutlichen Worten Stellung zum Missbrauchsskandal. Sie zeigen sich aber nicht nur erschüttert und beschämt, sondern legen klare Forderungen auf den Tisch.
Dasselbe tun auch jene kirchliche Frauen, die am offiziellen Frauenstreik vom 14. Juni selbstbewusst mittun und diesen mit dem Frauen*KirchenStreik um das Wochenende verlängern werden. Federführend ist der Schweizerische Katholische Frauenbund, dem 600 Vereine und 130‘000 Mitglieder angehören. Nicht genug: Am 29. Juni (Peter und Paul) setzen Theologinnen der Katholischen Kirche im Kanton Zürich auf dem Helvetiaplatz in Bern ein «Zeichen gegen Missbrauch». Das Aktionsbündnis hat mit Doris Wagner – Theologin, Philosophin und ehemalige missbrauchte Ordensfrau – eine prominente Mitstreiterin.
 
Apropos Streik: Auch heute wird gestreikt, für das Klima. Und auch hier tun viele kirchliche Akteure mit. Ich muss jetzt wirklich weg. Meine Tochter erwartet mich dringend auf dem Münsterhof in Zürich zum Streik …
 
Ich wünsche Ihnen ein sonnenverwöhntes und gesegnetes Wochenende.
Herzlich grüsst
 
Aschi Rutz

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