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Rom + Basel + Bern + Zürich
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
28.06.2019
Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur
Liebe Leserin, lieber Leser
Mir ist es heute einfach zu heiss, um mich über irgendetwas zu ärgern. Deshalb habe ich beschlossen, das kirchliche Leben ausschliesslich von der sonnigen Seite her zu sehen.
 
Sonnenaufgang war für mich letzten Sonntag die Predigt von Papst Franziskus zu Fronleichnam. Ungewöhnlich schon der Ort, an dem er sie hielt. Nicht wie üblich in der ehrwürdigen Lateranbasilika, sondern in einer unscheinbaren Betonkirche der römischen Vorstadt Casal Bertone, eingeklemmt zwischen Autobahnen, Schienen und Schnellstrassen, Schlusssegen dann auf dem örtlichen Fussballplatz. Das ist Franziskus, wie er mich begeistert – und mich die Irritationen, die er auch bei mir auslöst, für einen Moment vergessen lässt.

Noch eindrücklicher aber das, was er dann predigte. Jesus habe bei der „Speisung der 5000“ kein Brot vermehrt, sondern Brot geteilt, so seine Kernbotschaft. Also kein heiliger Hokuspokus, der alle satt macht, sondern ein Akt der Solidarität. Von „vermehren“ stünde gar nichts im biblischen Text, so der heilige Vater. Womit er absolut Recht hat.
 
In der Bibel geht es um das Wunder der teilenden Liebe, um nichts anderes. Wenn wir das, was wir haben, mit allen teilen, reicht es auch für alle. Eine mutige Auslegung, die zum herkömmlichen Verständnis ziemlich quer steht. Und was für eine starke Alternative zur kapitalistischen Profitmaximierung, die in unseren Zeiten das Heil für alle verspricht, aber nur für wenige auch einhält. Bleibt zu hoffen, dass der Papst auch bei anderen Themen gründlich hinschaut, was denn genau in der Bibel steht. Dazu später mehr.
Erst mal ein fliegender Wechsel vom Bischof von Rom zum Bischof von Basel. Der hat diese Woche die Berufsbezeichnungen „Pastoralassistent“ und „Laientheologin“ abgeschafft und durch „Pfarreiseelsorgerin“ und „Theologe“ ersetzt. Männer und Frauen, die ein volles Theologiestudium absolviert haben, bleiben also nicht länger auf Lebzeit Laien und Assistenten, sondern werden für das anerkannt, was sie tun, nämlich Seelsorge leisten und Gemeinden leiten. Im Bistum St. Gallen gilt das schon seit Februar. Wann geht in unserem Bistum die Sonne auf?
Von Basel nach Bern, wo morgen Zürcher Seelsorgerinnen und Seelsorger in Sichtweite der päpstlichen Nuntiatur ein Zeichen gegen Missbrauch setzen und der Männerdominanz in der Kirche kräftig einheizen wollen. Prominente Unterstützung erhalten sie von der Zürcher ‚Religionsministerin’ Jacqueline Fehr. Diese fragt in ihrer Grussbotschaft: „Wie würde sich die römisch-katholische Kirche entwickeln, wenn die Frauen darin den Männern vollkommen gleichgestellt wären?“ Tja, bei Sonnenlicht betrachtet, ist das des Pudels Kern! Möge der Strahl dieser Erkenntnis bis zum Nuntius leuchten. Danke allen, die sich morgen in Bern engagieren!
 
Sinnigerweise findet die Aktion just an dem Tag statt, an dem die Kirche die „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus feiert. Waren sie so ganz allein unterwegs? Was ist mit den Frauen, die mit Petrus und Paulus die junge Kirche prägten? Wer kennt noch das Gemeindeleiterehepaar Priska und Aquila, die Diakonin Phöbe, die Apostolin Junia (aus der Mann in der Übersetzung schnell einen Junius gemacht hat)? Vergessen, verdrängt, verdreht, weil sie den Männern der Kirche im Licht standen. Möge die Sonne der Gerechtigkeit bald auch über der Kirchengeschichte aufgehen. Ein Blick in die Bibel kann ein wahres Feuerwerk entfachen.
Blick von der Kirchen-Lounge aufs Feuerwerk. 
Es wird heiss und heisser, ich selber durstig und durstiger. Mit seinem launig-sinnlichen Kommentar zum Auftritt der Kirche am Züri Fäscht am ersten Juli-Wochenende weckt Kollege Oliver Kraaz meine Lust, das Leben zu feiern. Gerade in diesem annus horribilis der Kirche, welches schon viel länger als zwölf Monate dauert. Gerade jetzt tue der „Geruch nach Grillwürsten“ gut, „ebenso der herbe Geschmack des Weissbiers statt des Messweins“. Prosit, freuen wir uns schon heute aufs Fest in Höllenbar und Paradies-Lounge.
 
Vorher stehen der Zürcher Kirche aber noch ein paar heisse Tage bevor. Nächsten Donnerstag konstituiert sich die Synode für die neue Legislatur und wählt einen neuen Synodalrat. Hitzige Debatten künden sich an. Wenn Sie noch ein Stossgebet übrig haben, widmen sie das doch den Synodalen, sie können es brauchen.
Teufel Engel von Max Rüedi aus dem Jahr 2013
Aber jetzt wünsche ich Ihnen ein sonniges Wochenende mit herrlich blauem Himmel. Aus diesem winkt uns nun der Kunstmaler Max Rüedi zu, welcher zahlreiche Zürcher Kirchen ausgeschmückt hat und der heute zu Grabe getragen wird. Stossen wir im Schatten eines schönen Baumes auf seine „fröhlich-freche Menschlichkeit“ an.
 
Ihnen allen einen heiss-gesegneten Sommer-Sonntag.
 
Simon Spengler

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