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Papst Franziskus + Kardinal Schönborn + Ex-Nonne
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
08.02.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Wir Katholikinnen und Katholiken müssen auch diese Woche das Wechselbad der Gefühle aushalten. Und dürfen hoffen, dass Hoffnungsträger wie Kardinal Schönborn Ende Februar in Rom seinen Teil zu einem gemeinsamen Bewusstseinsstand unter den Bischöfen beitragen kann. Aber der Reihe nach.
 
Zum ersten Mal überhaupt ist mit Franziskus ein Papst auf die Arabische Halbinsel gereist. Bei seinem historischen Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat er von allen Religionen mehr Engagement gegen Krieg, Terror und Ungleichheit gefordert. Dazu unterzeichnete er zusammen mit dem Grossimam der islamischen Al-Azhar-Universität eine Erklärung gegen Gewalt respektive für Toleranz und Brüderlichkeit. Auf seiner Rückreise nach Rom bestätigte Franziskus dann zum ersten Mal den Missbrauch von Nonnen in der Kirche. Ja, es stimme, es sei ein Problem, räumte er auf eine entsprechende Frage eines Journalisten ein. Er wisse, dass Priester und auch Bischöfe dies getan hätten.
Einen Schritt weiter ist Kardinal Christoph Schönborn gegangen. Er hat sich einen ganzen Tag Zeit genommen für ein Missbrauchs-Opfer und mit der Ex-Nonne Doris Wagner vor laufender Kamera ein offenes Gespräch geführt. Sie trat nach acht Jahren Mitgliedschaft aus dem Orden aus, ist heute Ehefrau und Mutter eines Kindes. In einem autobiografischen Buch beschreibt sie, wie sie sexuell und spirituell missbraucht wurde. Und sie kämpft um Aufklärung. Der Erzbischof von Wien hat dem Opfer nicht nur zugehört, sondern auch Gründe für den kirchlichen Missbrauch genannt: «Die Macht, dieses Ungleichgewicht ist zweifellos eine der Wurzeln des Missbrauchs. Diese Ungleichheit ist eine Uralt-Sünde in der Kirche.» Für Schönborn ist die Frauenfrage eines der grossen Zeichen der Zeit. «Das Thema Missbrauch wird die Frage der Frau in der Kirche in ein neues Licht stellen.»
 
Ein wichtiger Meilenstein sieht der Kardinal im Ende Februar angesetzten Spitzentreffen im Vatikan, zu dem Papst Franziskus die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit zu dreitägigen Beratungen einbestellt hat. Seine Erwartungen an dieses Treffen, an dem Schönborn auch teilnehmen wird, sind nicht hoch, aber seine Hoffnung stark, dass zumindest ein gemeinsamer Bewusstseinsstand erreicht wird. Denn dies sei die erste Voraussetzung. «Es braucht zuerst ein Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein ist nicht da.»
Szenenwechsel in den Kanton Zürich. Die NZZ hat sich diese Woche gleich in zwei grossen Beiträgen mit dem Geld, den Privilegien und dem Wesenskern der Kirchen auseinandergesetzt. Interessant zu hören, dass den Kirchen kein Maulkorb gehöre, sondern dass sich diese geradezu in die Politik einmischen müssten. Schliesslich gehöre dies zum Wesenskern religiöser Institutionen.
 
Entscheidender findet Simon Hehli hingegen die Frage nach der Aufrechterhaltung von Privilegien, welche die Kirchen aufgrund ihrer öffentlichen Anerkennung geniessen würden. Es ist dann doch vor allem das Privileg der Steuererhebung und staatlicher Beiträge, das offensichtlich sauer aufstösst, auch Hehli. Unter dem Titel "Wie Konfessionslose und Muslime Millionen für die Kirchen zahlen" lässt er den Freidenkern grossen Raum, denen die staatliche Unterstützung ein Dorn im Auge ist. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass die Kirchen Hunderte Millionen Franken einfach so und bedingungslos erhielten.
 
Gut gebrüllt, wenn auch falsch: Richtig ist, dass die Kirchen im Kanton Zürich der Regierung und dem kantonalen Parlament nicht nur Jahresbericht und -rechnung vorlegen, sondern aufgrund des Kirchengesetzes dem Kanton auch Tätigkeitsprogramme vorlegen. Zudem müssen die reformierte und katholische Kirche nachweisen, sowohl die Kirchensteuererträge von Firmen als auch die Staatsbeiträge nicht für kultische Zwecke wie beispielsweise Gottesdienste einzusetzen, sondern für Angebote mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.
Das aktuellste Beispiel dafür ist das Engagement der reformierten und katholischen Kirche für ein Projekt der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ. Mit insgesamt 1,5 Millionen Franken ermöglichen die Kirchen ein dreijähriges Projekt der FIZ, das Opfern von Menschenhandel, die sich im Asylverfahren befinden, einen umfassenden Schutz bietet. Regierungsrätin Jacqueline Fehr dazu an einer Medienkonferenz: «Es belegt aufs Erfreulichste, wie Staat und Zivilgesellschaft bei der Lösung von gesellschaftlichen Problemen Hand in Hand arbeiten.»
 
Von kirchlichen Angeboten und Leistungen profitieren auch Konfessionslose, Muslime und weitere Institutionen. So unterstützt die katholische Kirche etwa den Verband Orthodoxer Kirchen oder die Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich (VIOZ). Vor gut einem Jahr hat die VIOZ der Katholischen Kirche im Kanton Zürich öffentlich für deren Unterstützung gedankt.
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Zum Schluss noch dies, auch wenn meine Kollegin Kerstin Lenz in ihrem Newsletter von letzter Woche bereits auf den Dokumentarfilm hingewiesen hat: Ich habe das Werk «Architektur und Unendlichkeit» gesehen, genossen und darüber in einem Blog sinniert. Es ist ein Geschenk des Himmels. Machen Sie sich dieses Geschenk doch auch!
 
Der Newsletter meldet sich für die Zeit der Sportferien ab. Ich wünsche Ihnen dort, wo Sie gerade sind, eine entspannte Zeit und grüsse Sie herzlich
 
Aschi Rutz

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