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 Frauen  + Kirche  + Papst Franziskus

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
23.11.2018
Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur
Liebe Leserin, lieber Leser
Lieber Gott, das tut weh! Sechs profilierte Frauen treten gemeinsam aus unserer Kirche aus, weil sie jede Hoffnung verloren haben, dass sich an deren patriarchaler Männerherrschaft je etwas ändern wird, weil sie es bei uns einfach nicht mehr aushalten. Zufällig kenne ich diese sechs Frauen persönlich, weshalb es mir besonders weh tut. Denn ich weiss, mit wie viel Energie, Freude, Zuversicht sie sich über Jahrzehnte in und für die Kirche eingesetzt haben – und teilweise auch an ihr und durch sie leiden mussten.
 
Aus, vorbei, Schlussstrich. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber irgendwann stirbt sie. Wird dieses Zeichen bei der Kirchenleitung mehr auslösen als ein hilfloses Schulterzucken oder hämisches „Sollen sie doch“? Auch meine Hoffnung ist hier an einem kleinen Ort. Ich fürchte eher, dass sich am Montag so manche Herrschaften eine Flasche vom Besseren aus dem Keller bringen liessen.
 
Irgendwie erinnert mich das alles an die Zustände von vor 500 Jahren. Auch damals war der Reformstau riesig, Priester, Ordensfrauen und Gelehrte hielten es mit der alten Kirche einfach nicht mehr aus. Aber die Kirchenleitung war nicht fähig, nicht willig und nicht einsichtig, um auf die Zeichen der Zeit zu reagieren. Bis zur Katastrophe.
Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding reagierte umgehend und schrieb den Frauen: „Ich kann Ihre Entscheidung nachvollziehen und respektiere sie, auch wenn ich für mich selbst einen anderen Weg eingeschlagen habe.“ Dieser andere Weg führt nicht aus der Kirche, sondern in sie hinein. Vielleicht halt an ihre Ränder. An die Orte, wo unsere Kirche Freiräume bietet für sinnvolles Engagement, für Entfaltung, für gelingendes Miteinander und Füreinander.
 
Diese Freiräume gibt es für Frauen wie für Männer (auch Männer, die nicht Priester sind, haben in der Kirchenleitung nicht viel zu melden) und sie machen für mich den Wert der Kirche aus. Ich danke allen Frauen, die trotz der Männerherrschaft im Überbau in diesen Freiräumen kreativ Kirche leben und Jesu Botschaft konkret im Alltag  umsetzen. Möglich ist es. Und ganz sicher bietet die Kirche, bieten die Kirchen (!) viel mehr solche Freiräume, als auf den ersten Blick sichtbar sind. Dafür bin ich dieser Kirche, den Kirchen, dankbar.
 
Aber verstehen kann ich alle Frauen trotzdem, die einfach nicht mehr bereit sind und die es auch nicht länger ertragen, allein aufgrund ihres Geschlechts auf ewig nur die Rolle der zweiten Geige zugewiesen zu bekommen, unabhängig von ihrem Talent.

Ich bin traurig. Auch darüber, dass ausgerechnet dieser Papst der letzte Auslöser für den Austritt war. Warum nur bringt es kein Bischof fertig laut zu sagen: „Bruder Franziskus, mit dem Abtreibung-Auftragsmord-Vergleich hast du dich gewaltig im Wort vergriffen, eine Entschuldigung wäre dringend geboten“?
Ein kleines Hoffnungszeichen gibt es doch: Seitdem ich für die Zürcher Kirche arbeite, haben sich noch nie so viele Leute gemeldet, um frank und frei darzulegen, was sie bewegt. Da ist der Blogbeitrag des Theologieprofessors und Rektors der Churer Hochschule über „Klerikalismus, eine Pest in unserer Kirche“. Auch die in Zürich bekannten Theologen Bernd Kopp und Martin Stewen (heute als Priester in Saudi-Arabien) haben sich im Online-Magazin feinschwarz.net zum Thema aus unterschiedlicher Warte geäussert.
 
Die Theologin und Spitalseelsorgerin Veronika Jehle beschreibt im Blog „Wenn Frauen ihr Schweigen brechen“ ihre Eindrücke vom – gerade auch für uns als katholische Kirche - höchst aktuellen Film #Female Pleasure. Weitere Beiträge zu drängenden Fragen sind bereits angekündigt. Gut so! Wir haben in der Kirche nicht zu viel Debatte, sondern viel zu wenig!
Freiräume kreativ nutzen, die die Kirche bietet: Das tut seit 50 Jahren die Gemeinschaft Sant`Egidio in Rom. Ob unter Aidskranken in Afrika, auf internationalen Friedenskonferenzen oder im Hintergrund bei diplomatischen Verhandlungen des Vatikans (aktuell gerade massgeblich bei der Suche nach Lösungen mit der Regierung in China bezüglich der Ernennung von Bischöfen): unter dem Dach der Kirche kann die Laiengemeinschaft Initiativen starten, die säkularen NGOs unmöglich sind. Die Pfarrei St. Georg in Küsnacht ehrte sie zum Jubiläum mit einem eindrücklichen Festanlass.
Wenn Sie das nächste Mal in Rom sind, besuchen sie doch um 21 Uhr das Abendgebet der Gemeinschaft in der Kirche Santa Maria in Trastevere. Sie werden beeindruckt sein.
Wer über all die brennenden Themen mal direkt mit der Synodalratspräsidentin diskutieren möchte, kann mit ihr am Mittwoch in der Pfarrei Greifensee ein paar Nüsse knacken. Unter der harten Schale findet sich oft eine nährende Frucht.
 
Ich grüsse Sie herzlich und wünsche einen gesegneten Sonntag,
Simon Spengler
 

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