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Filmpreis + Schöpfung + Gesprächskultur

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
05.10.2018
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Wie Papst Franziskus gestern seinen Namenstag gefeiert hat, weiss ich nicht. Hingegen bin ich mir sicher, dass er Freude am Filmpreis der Zürcher Kirchen hätte, wüsste er denn davon. Nun, er hat im Moment wirklich andere Sorgen. Aber alles schön der Reihe nach.
Regierungsrätin Jacqueline Fehr (Mitte) bei der Preisverleihung.
Foto: Gion Pfander 
Gestern Abend zeichnete die fünfköpfige kirchliche Jury am Zürcher Filmfestival aus der Wettbewerbsreihe «Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich» den österreichischen Dokumentarfilm WELCOME TO SODOM von Florian Weigensamer und Christian Krönes aus. Letzterer reiste für die Preisverleihung in der alten Sihlpapierfabrik (hier das Video vom Abend) eigens aus Wien nach Zürich und nahm den mit 5000 Franken dotierten ökumenischen Preis der Zürcher Kirchen persönlich entgegen. Am Anlass der reformierten und katholischen Kirche (hier das Video) war viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche zugegen – mit Kantonsratspräsidentin Yvonne Bürgin auch die höchste Zürcherin. Regierungsrätin Jacqueline Fehr sprach in ihrer Festrede von Filmen als Vermittlerinnen des Unaussprechlichen. «Wenn Kunstschaffende oder Religionsgemeinschaften den Brückenschlag ermöglichen zwischen Generationen, Traditionen, Religionen und Kulturen, dann freut mich das als Kultur- und Religionsministerin gleichermassen.»
Festivaldirektorin Nadja Schildknecht. Foto: Fabienne Wild 
Ein Highlight auch, wenn für ein paar Minuten die Direktorin des Zurich Film Festivals vorbeischaut und zwei, drei Fragen offenherzig beantwortet. Auf die Frage, was sie mit der Kirche verbinde, erzählte Nadja Schildknecht sehr anschaulich, wie sie sich seit Kindheit und Jugend der Kirche verbunden fühlt. «Zwar bin ich beim Ministrieren mit dem langen Stehen schon mal ohnmächtig geworden und umgekippt, aber meinen Glauben habe ich bis heute nicht verloren.» Sie stehe zu ihren Gefühlen, Hoffnungen und zum Glauben. Dies biete ihr ein starkes Fundament für ein Engagement für gute Filme.
"Welcome to Sodom"
Der preisgekrönte Film «Welcome to Sodom» ist ein dokumentarisches Porträt zur grössten Elektro-Schrotthalde der Welt und ihrer Bewohner in Ghana. Sodom – diesen Sündenpfuhl aus dem Alten Testament – nennen die Menschen vor Ort die illegale Müllhalde – Endstation für Computer, Mobiltelefone und anderen Elektroschrott aus aller Welt. Der bildgewaltige Film zeigt den Irrsinn einer Wegwerfgesellschaft einerseits und die Lebensumstände von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen.
Und der Film stellt uns die Frage nach der persönlichen Verantwortung. Dieser Verantwortung hat sich Papst Franziskus in seiner 2015 veröffentlichen Enzyklika «Laudato Si» angenommen, wo er in 246 Punkten seine Gedanken über die Sorge für das gemeinsame Haus äussert. Ein Blick in diese Umweltenzyklika lohnt sich. Franziskus ruft nicht nur zu einem fundamentalen Umdenken im Umgang mit der Schöpfung und ihren Ressourcen auf, sondern verweist auch auf den Zusammenhang von Ökologie und Armut. Wer Papst Franziskus und seine gesellschaftlichen, ökologischen und sozialpolitischen Anliegen besser verstehen und bequemer angehen will, sieht sich den Film «Ein Mann seines Wortes» von Wim Wenders an. Der Regisseur ist am kommenden Montag Gast in Roger Schawinskis Talk-Sendung auf srf.
Aber wie gesagt: Papst Franziskus hat derzeit andere Sorgen. Vorgestern hat er die Jugendsynode eröffnet, an der u.a. rund 270 Bischöfe und 50 Jugendliche teilnehmen. Letztere drücken klar das Durchschnittsalter der Teilnehmenden. Ob sich die Weltkirche aber in dieser Zusammensetzung auf die Jugend einlassen will und kann, wie das der Leiter der Jugendseelsorge, Frank Ortolf, in seinem Blog fordert, wird sich zeigen. Die Vorbehalte sind gross, monieren doch gerade Frauen-Organisationen, dass vor allem alte Männer hinter verschlossenen Türen über die Jugend sprechen würden.
Bild: Michael Bönte
In seiner ungewöhnlich langen Rede forderte Franziskus die Anwesenden auf, mit Freimut zu sprechen. Ehrliche und transparente Kritik sei hilfreich, Geschwätz und Vorurteile nicht. Unmissverständlich stellte der Papst einmal mehr fest: «Klerikalismus ist eine Perversion und die Wurzel vieler Übel in der Kirche.» Diese Plage gelte es zu überwinden.
Die Jugendsynode dauert drei Wochen, es wird viel gesprochen. Damit nicht einfach Worte das Treffen dominieren, hat Franziskus Folgendes vorgeschlagen, das wir durchaus auch in unsere Gesprächs- und Sitzungskultur übernehmen können. Der Mut zu reden solle einhergehen mit der «Demut des Zuhörens» Die Synode müsse eine Übung im Dialog und eine Übung der Unterscheidung sein. Unterscheidung brauche Raum und Zeit. Deshalb verfüge er, dass bei der Synode nach je fünf Redebeiträgen eine stille Zeit von drei Minuten einzulegen sei. «Diese Stille, um hinzuhören auf das, was am meisten bewegt, ist der Schlüssel, um den Weg des Erkennens, Interpretierens und Auswählens zu gehen.»
 
Bleibt mir noch, allen traumhafte, goldfarbene und entspannende Herbsttage zu wünschen. Wo immer Sie sich – wie dieser Newsletter – eine Auszeit gönnen: Geniessen Sie die kleinen schönen Dinge, die uns das Leben schenkt. Und wenn schon, dann adoptieren Sie für einmal einen Bischof!
 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende und grüsse Sie herzlich
 
Aschi Rutz
Simon Spengler, Aschi Rutz, Kerstin Lenz, Arnold Landtwing

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