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Ups! + UBS + Hygge

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
17.11.2017
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser

Da haben sich mir doch beinahe die Zehennägel gekräuselt. Im Kommentar „Kinder sind ein Ego-Projekt“ schreibt Claudia Baer in der NZZ „Eltern sollen sich Rechenschaft darüber ablegen, dass sie diese Freude (gemeint sind: Kinder) vorab sich selber machen“, um dann auszuholen und aufzuzeigen, wie sehr Gofen die Gesellschaft belasten. Sie nehmen Raum und Ressourcen in Anspruch und kosten den Staat mehr als sie je zurückzahlen. Das freudige In-die-Welt-stellen von Kindern reicht, es braucht nicht auch noch einen Vaterschaftsurlaub obendrauf.

Habe ich die Wertung „strunzdumm“ schon mal vergeben? Nein? Dann sei dies für einen Kommentar als Ego-Projekt hiermit getan, sekundiert von der besorgten Frage, ob die alte Tante von der Falkenstrasse in die Jahre kommt, Kinder nicht mag und auf zukünftige Leserabos verzichten will. So aus liberaler Sicht.

Die Kinder von heute sind die Fachkräfte und Kunden von morgen. Das hat mittlerweile die Grossbank UBS realisiert. Von anständigen Zinsen auf Sparguthaben ist weiterhin keine Rede, grossmütig investiert sie in vierwöchigen Vaterschaftsurlaub und buhlt so um Arbeitnehmer – und deren Nachwuchs als Kunden. „UBS schickt Väter in die Ferien“ titelte der Tagesanzeiger.

So nebenbei sei hier vermerkt, dass die Katholische Kirche im Kanton Zürich als Arbeitgeberin den vierwöchigen Vaterschaftsurlaub schon seit 10 Jahren kennt – und dies, liebe UBS, bei vollem Lohn! Übrigens befindet die Synode anfangs Dezember über eine 5. Ferienwoche für Arbeitnehmende bis 49 Jahre. Weit davon entfernt ist der Bundesrat, der kürzlich die Initiative für Vaterschaftsurlaub bachab geschickt hat. Im Parlament haben ausgerechnet Politiker der CVP wie Alois Gmür mit Ablehnung geglänzt. Ich werde mit ihm mal einen Blick in die CVP-Homepage werfen, auf der da steht „Die CVP ist die Familienpartei“. Vielleicht ist‘s ja eine Bieridee. Ich meine: Das mit der Familienpartei. Da hat die FDP wenigstens Profil bewiesen: Sie hatte keine Meinung.

Im Zürcher Hauptbahnhof startet demnächst der Event mit dem venezianischen Maskenball auf dem Plakat, dem kristallbehangenen Bling-Bling-Baum als Zentrum und glühweinseligem Aperölen. Und wenn Jesus in Zürich zur Welt gekommen wäre, dann würden wir heute statt einer Krippe ein Emmentaler Stöckli unter den Christbaum stellen. Ich gestehe: Mit dem Christkindlimarkt kann ich gar nichts anfangen. Ich stelle mir immer die Frage, welches Kindli da vermarktet wird. Wem es gefällt, dem mag ich den Rummel von Herzen gönnen. Ich selber bevorzuge es hyggelig, wie die Dänen.

Tempo rausnehmen, für Gemütlichkeit und Gemeinschaft sorgen und so auch die Seele nähren. Das kann durchaus mit einem Termin in der Agenda verbunden sein, zum Beispiel dem Kindermusical „Immanuel, Immanuel“ in der Pfarrei Maria Krönung in Witikon. Freie Plätze gibt es noch für die Aufführung vom 25. und 26. November. Anregend dürfte auch die ökumenische Disputation vom 20. November werden, wo es um Heilige, Sünder und Scheinheilige geht. Statt Schlachtenlärm tönen aber Orgelklänge.

Wenn dieser Newsletter eintrudelt, bin ich für das aktuelle Wort zum Sonntag zum Thema „Respekt“ im Fernsehstudio. Warum ausgerechnet das Boulevardblatt Blick mich zu diesem Thema inspiriert hat? Das nimmt wohl auch dessen Redaktion wunder und ich vermute, dass jemand dazu verknurrt ist, sich am Samstagabend die vier Minuten Kommentar aus christlicher Sicht reinzuziehen. Gut so.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Arnold Landtwing

Simon Spengler, Aschi Rutz, Kerstin Lenz, Arnold Landtwing

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