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Not + Nötli + Zwänglen

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
06.09.2019
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser
«Summus ius summa iniuria» - dieses Zitat von Cicero, dass höchstes Recht höchstes Unrecht sei, ist mir weniger aufgrund einer luziden Erinnerung an den Lateinunterrichts präsent, sondern vielmehr wegen der Frage, wie unser Staat ein zappendusteres Kapitels der Geschichte aufarbeitet. Nachdem es bis in unsere Zeit hinein gedauert hatte, um zu erkennen, dass der Staat mit willkürlicher «administrativer Versorgung» und «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen» Menschenrechte mit Füssen getreten und verstörende Not verursacht hatte, gab es für Betroffene ein «Trostpflästerli» in der Höhe von 25'000 Franken. Rechtlich gesehen korrekt, wurde in einzelnen Fällen von dieser Genugtuung gleich wieder abgezwackt und auch Ergänzungsleistungen gekürzt –damit macht der gleiche Staat menschlich gesehen Betroffene ein weiteres Mal zum Opfer. Ein Unding.
Alt Regierungsrat Markus Notter. 
Einen Hoffnungsschimmer erkennen lässt der ehemalige Zürcher Regierungsrat Markus Notter als Präsident der Expertenkommission. Er kritisiert die bisherige Wiedergutmachung als ungenügend. Wem damals die Freiheit genommen wurde, dem gehöre heute ein SBB-Generalabo auf Lebzeiten, Steuererlass, Übernahme von Gesundheitskosten und eine lebenslange Rente. Bleibt abzuwarten, was dabei rauskommt. Justizministerin Karin Keller-Sutter verspricht, der Bund werde die Empfehlungen sorgfältig prüfen. Wieviel ist eine geknickte Biografie wert? Wieviel ein staatlich verpfuschtes Leben? Die Antwort darauf ist für mich bisher alles andere als glaubwürdig, die Aufarbeitung und die Rehabilitierung der Opfer steht erst am Anfang.
Von der grossen Not zum «Nötli». Diese Woche hat die Schweizerische Nationalbank das neue Hunderternötli vorgestellt. Hauptthema ist die humanitäre Seite der Schweiz und wichtigstes dargestelltes Element das Wasser. Ich frage mich: Schöpfen die auf dem staatlichen Zahlungsmittel symbolisch dargestellten Hände wirklich Wasser? Oder fordern sie, die hohle Hand machend, gleich wieder zurück, was sie vorher gegeben haben? Und dann kommt mir beim 100-er ein altes «Nötli» in den Sinn: Der heilige Martin, der zwar hoch zu Ross sitzt, aber seinen Mantel teilt, um die Not eines Bedürftigen zu lindern.
Gleich noch eine Kindheitserinnerung: in Rekordzeit bin ich so manches während des Jahres sauer zusammengespartes «Nötli» am Knabenschiessen losgeworden. Erst vieeel später kam das grosse Aha-Erlebnis, dass das Knabenschiessen nicht einfach eine Chilbi ist, sondern auf der Kirchweihe beruht – und deshalb in Zürich um den Festtag der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius stattfindet. Über deren Herkunft als koptisch-orthodoxe Christen habe ich in einem Wort zum Sonntag mal nachgedacht. Dass wir den Glauben jeweils mitten im reformierten Zürich mit einer Prozession auf die Strasse hinaustragen, dafür sorgen die orthodoxen Glaubensgemeinschaften. Wer diese eindrückliche Feier einmal selber erleben will: Sie beginnt am 11. September um 17 Uhr auf dem Lindenhof und führt über das Fraumünster zur Wasserkirche.
Da hat bigoscht irgend so ein Galööri oder Teigaff dem Zwingli sein Bischofsstab weggenommen. Seit einiger Zeit steht der Bischofs-Zwingli nur noch mit der Mitra vor dem Grossmünster. Waren es katholische Fundis? Militante Reformierte? Oder gar Freidenker? Bekommt da in Zürich jemand Püggeli wegen einem Bischof? Fragen über Fragen.

Recherchen ergeben bisher keine Hinweise auf die Sürmel, welche den Hirtenstab gemopst haben. Naja, wenigstens hat Huldrych jetzt die Hand frei, um mit der Faust auf den Tisch hauen und zu zwinglen: «Tut ums Gotts Willen etwas Tapferes». Und mit dem Anlauf über dieses Wortspiel gleich zum «Zwänglen», das nach Duden soviel bedeutet wie «immer wieder mit kleinen Wünschen, Klagen ungeduldig zu etwas drängen».

Augenzwinkernd gehört habe ich in diese Richtung Untertöne zum Tagesanzeiger-Artikel «Wird dank Franziskus ein Ordensmann Bischof von Chur?». Michael Meier macht sich Gedanken, wie die Bischofsnachfolge in Chur aussähe, wenn der Papst sie zur Chefsache machen würde. Dazu sage ich nur: Kommt Zeit, kommt Bischof. Es ist Zeit. Höchste sogar. Und: Ah, ja, im Gegensatz zu den beiden anderen aufgeführten Kandidaten haben Abt Urban Federer und Weihbischof Alain De Raemy schon einen Hirtenstab.

«Wir bringen sie nahe ans Ziel» werben die VBZ doppeldeutig für das Knabenschiessen. Vom Ziel im Kugelfang rate ich dringend ab, hingegen empfehle ich das Benutzen von Tram und Bus, um am Dienstag als Ziel die Prozession zu erreichen.
Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag.

Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

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