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 Hitze + Synode + Fest
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
05.07.2019
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser
Meine Familie behauptet, des Vaters gute Laune begänne ab dreissig Grad Celsius - im Schatten! So. Damit wäre mal geklärt, warum ich morgens um sieben im bereits hitzeflirrenden Büro newsletternd zu Hochform auflaufe. Gute Laune bereitet der Schulterblick zurück in die Woche aber nicht nur temperaturmässig, sondern auch auf besondere Erlebnisse, zum Beispiel Begegnungen mit dem Apostolischen Administrator des Bistums Chur, Bischof Peter Bürcher.
Meines Wissens zum ersten Mal hat sich ein Churer Diözesanbischof Zeit genommen, um alle im Generalvikariat Zürich mitarbeitenden Frauen und Männer, Laien und Geweihte, zu treffen und sie kennenzulernen. Mit wachem Interesse nahm Peter Bürcher die Menschen und deren Arbeit hinter den Kulissen wahr – ein für beide Seiten erfreulicher Perspektivenwechsel auf menschlicher wie dialogischer Ebene. Und - wer weiss - vielleicht ist dies auch ein erster Schritt darauf hin, dass meine Mailadresse als Informationsbeauftragter des Generalvikariats in den Medienverteiler der Bistumskommunikation aufgenommen wird.
In seiner Predigt im Gottesdienst zur Eröffnung der neuen Legislatur der Synode sagte Peter Bürcher unter anderem, «Im Bistum Chur sind die Rebberge nicht überall die gleichen und der Wein auch nicht…!». Recht hat er. Wer die hervorragenden Reblagen rund um den Zürichsee kennt, der weiss auch, dass nur mühseliges Alltags-Handwerk im Weinberg zu gehaltvollen Ergebnissen führt. So hoffe ich, dass Bischof Bürcher genügend Zeit bleibt, den Reichtum der gehaltvollen Ergebnisse im Leben der Pfarreien kennenzulernen – und wie die duale Struktur vieles davon erst möglich macht. Dazu passend kommentierte Raphael Rauch, Postdoktorand an der Professur für «Spiritual Care» an der Universität Zürich just diese Woche in der NZZ, weshalb wir in der Schweiz für das duale System zu beneiden seien und das Narrativ von der angeblich so abtrünnigen schweizerischen Kirche zu relativieren ist.
Bischof Peter Bürcher mit Josef Annen und Franziska Driessen-Reding (v.l.) Foto: Christoph Wider 
Trotz sommerlicher Hitze erfrischend war auch das Grusswort von Bischof Bürcher anlässlich der konstituierenden Sitzung der Synode. Mit der Anrede «Grüss Gott Zürich!» zeigte er sich als gewiefter Redner auf synodalem Parkett und schlug sogleich den Bogen zu Alfred Teobaldi, dem ersten Generalvikar in Zürich. Sympathisch auch, dass er zuerst einmal dankte und ermutigte. Dank und Ermutigung sind so erquickend wie ein Regenguss nach langer Trockenzeit – und dies darf gern mit Blick auf unsere Bistumssituation gelesen werden. Ich meine es nämlich auch so.
An der anschliessenden Synodensitzung wählte die Synode ein neues Ratspräsidium und die Mitglieder des Synodalrats.

Beim Stichwort Synode wandern meine Gedanken von der Limmat zum anderen grossen Fluss, dem Amazonas und dessen unermessliche Weiten. Meinen Bleistift hatte ich schon gespitzt, um die Befürchtung von Weihbischof Marian Eleganti zu kommentieren, die Amazonas-Synode vom Herbst könnte ein Laborexperiment starten, das «den gesamten mystischen Leib der Kirche verseucht - und ihn schwer beschädigt". Diese Gefahr wittert er im «Instrumentum Laboris», dem Arbeitsinstrument für die Bischofssynode, das von der Kirche aufmerksames Zuhören fordert und neue Wege des Umgangs mit Herausforderungen.

Im Blick ist die dramatische Situation im Amazonasbecken. Neben Bildung und Gesundheit stehen dort auch Fragen von kirchlichen Veränderungen an, etwa die Überlegung von verheirateten Priestern oder Ämtern für Frauen. Da für Weihbischof Eleganti die Kirche das «Antlitz Christi» haben muss und nicht ein «Amazonisches Gesicht», unterzeichnete er eine Petition, welche sich gegen Papst Franziskus wendet. Was wollte ich doch gleich? Ah ja, dies kommentieren. Mache ich aber nicht, denn Bedenkenswertes kommt bei mir vor Bedenklichem. Als bedenkenswertes Lesefutter empfehle ich den Beitrag «Die drohende Entfremdung der Kirche von ihren Gläubigen» von Franz-Xaver Kaufmann.
Die jüngste Synodale Anita Weiss
Zurück an die Limmat: Speziell lesens- wie bedenkenswert ist, was Anita Weiss als jüngste Synodale in ihrer Rede gesagt hat: «Ich bin dervo überzoge, dass Glaube, egal i wellereForm, än enormi Chraft darstellt, wo sehr villne Mänsche, unabhängig vo Alter, Huutfarb Wohnort oder Kultur, dä Sinn vom Läbe zeigt und si so unterstützt». Dass sie auch mit ihren weiteren Gedanken zu Reformen nicht alleine ist, davon zeugen die Besen, welche nach der Kundgebung von Bern letzte Woche am Eingang zur Nuntiatur in Bern deponiert wurden. Mit solchen Synodalen wird die neue Legislatur hoffentlich spannend.
Eine andere Art von Kundgebung ist die jährliche Wallfahrt der Zürcher Katholiken nach Einsiedeln am morgigen Samstag. Unter dem Motto «Tut um Gotts‘ Willen etwas Tapferes» pilgern auf verschiedensten Wegen hunderte von Zürich zur Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Wer dann menschenmengengewöhnt, hitzegestählt und feiererprobt eine kaum zu bändigende Lust auf Mehr verspürt, kann direttissima ans Zürifäscht wechseln.
Tun Sie etwas Tapferes! Kommen Sie mit auf die Wallfahrt nach Einsiedeln, tapfer wandernd, bikend oder wie auch immer – und/oder halten Sie tapfer durch am ZüriFäscht, denn die erste Drohnenshow in der Schweiz soll magisch sein. Sie lässt die Luft klar, klöpft und stinkt nicht.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Arnold Landtwing

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