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 Gleichberechtigung + Punkt + Amen
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
21.06.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Im Nachgang zum Frauenstreiktag antwortet Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Katholischen Frauenbundes im sonntäglichen Gespräch auf Radio SRF2 auf die Frage, was sie mit ihrer Aktion vor der Kirche in Weinfelden erreichen will: «Wir arbeiten für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche. Für das, was uns Jesus vorgelebt hat: die Gleichwertigkeit aller Menschen, die Wertschätzung allen Menschen gegenüber. Da braucht es jetzt auch die Männer, die sagen, da machen wir nicht mehr mit.»
Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Katholischen Frauenbundes Schweiz, am Frauenstreiktag mit pinken Ballons unterwegs. Foto: zVg
Es gibt tatsächlich immer mehr Männer, ja auch Bischöfe, die sich trauen, ihre Stimme für das Frauenpriestertum aufs Tapet zu bringen, obwohl aus römischer Sicht nicht mal mehr die Diskussion darüber stattfinden soll. So sagt etwa Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg: «Die Priesterweihe von Frauen rigoros abzulehnen und lediglich mit der Tradition zu argumentieren, überzeugt nicht mehr.» Oder Martin Werlen, alt Abt des Klosters Einsiedeln: «Ich bin je länger, je mehr überzeugt, dass der Ausschluss der Frau vom Weihepriestertum eine der Traditionen ist, die geändert werden können und müssen.» Wie dies vonstatten gehen soll, ist für Christoph Schönborn, Kardinal in Wien, klar: «Die Weihefrage kann sicher nur von einem Konzil geklärt werden. Das ist eine zu grosse Frage, als dass sie vom Schreibtisch eines Papstes aus geklärt werden könnte.»
Mit Theologieprofessor Daniel Bogner hat jetzt ein weiterer Mann mit seinem neuen Buch «Ihr macht uns die Kirche kaputt … doch wir lassen das nicht zu!» mutig seine Stimme erhoben und eine scharfsinnige Analyse zum Zustand der katholischen Kirche vorgelegt. Mit Blick auf das aktuelle Kirchenrecht aus der Spätantike und dem Mittelalter, stellt er fest: «In der Kirche fehlen Gewaltenteilung, Kontrolle von Herrschaft und Teilhaberechte». So vereine der Bischof in der katholischen Kirche aufgrund des Kirchenrechts alle drei Gewalten in einer Person: Er macht die Gesetze, er regiert und ist oberster Richter. Das Problem: Mit diesem Modell einer absolutistischen Monarchie gebe es, anders als im demokratischen Rechtsstaat, in der Kirche keinen Mechanismus von «Checks und Balances», über den sich die drei Gewalten gegenseitig kontrollieren könnten.
70 Jahre Paris Match: Papst Franziskus signiert das Tableau mit den 50 Titelseiten der Illustrierten Paris Match, die jeweils einen Papst abbilden. Foto: © Virginie Clavières / Paris Match
Dies hat mit Verlaub, gemäss der französischen Illustrierten Paris Match in ihrer aktuellen Ausgabe Papst Franziskus auch schon moniert: «Die Regierung des Vatikans ist die letzte absolute Monarchie in Europa. … Deshalb muss diese Struktur verschwinden.» Als ein Verfassungsproblem sieht Moraltheologe Bogner auch zwingend die Frauenfrage. Abgesehen davon, dass es theologisch keine stichhaltigen Einwände gegen das Frauenpriestertum gebe, warnt er vor Selbsttäuschungen: «Das Frauendiakonat, der Berufstand der Pastoralassistentinnen oder Frauen in Verwaltungspositionen bedeuten gerade keine Fortentwicklung des weiblichen Berufsbildes. Nur die Weihe von Frauen zu Priesterinnen kann die Kultur der Kirche verändern.»
Die Ansage ist klar, die Selbsttäuschungen gehen weiter. Zu einem möglichen Diakonat der Frauen meinte Papst Franziskus vor kurzem, dass es nach zweijähriger Expertentätigkeit in absehbarer Zeit keine Entscheidung geben werde. Im selben Pressegespräch schiebt er dann noch sehr bemerkenswert nach, für ihn persönlich sei interessant, dass es zu jener im heidnischen Raum sehr wohl Priesterinnen, dass es diese Entwicklung in der Kirche aber nicht gegeben habe. Dafür zieht der Vatikan die Priesterweihe für verheiratete Männer in Betracht. Aufgrund des akuten Priestermangels im Amazonas-Gebiet soll die Weihe für «ältere, vorzugsweise indigene und in ihrer Gemeinschaft respektierte und akzeptierte» Familienväter geprüft werden. In der Not lässt sich also im Amazonas das Männer-Zölibat schleifen, nicht aber die Frau in der Kirche gleichwertig behandeln.
Viele Kirchenfrauen haben sich letzte Woche auf und neben der Strasse Gehör verschafft. Ein paar Frauen der Initiativgruppe «Wir haben es satt!» wurden vorgestern vom Basler Bischof Felix zum Gespräch empfangen. Das Ziel ist gemäss der Medienmitteilung klar: Gleichwertigkeit der Geschlechter als gemeinsame Überzeugung. Der Bischof bleibt also dran, die Frauen auch.
Auch wir bleiben dran. Zum Beispiel an der Frage, warum sich im gesellschaftlichen Diskurs kaum mehr Theologinnen und Theologen einmischen, obwohl sie viel zu sagen hätten – nicht nur zwischen Buchdeckeln. Und wir schauen interessiert auf die kommenden Tage, an denen uns ab Sonntag mit «Stilles Zürich» über 60 kostenlose Anlässe mit Oasen der Ruhe und Kontemplation angeboten werden. Geniessen Sie eines der Angebote – als Städterin oder Landei. Ich wünsche Ihnen auch im Alltag immer wieder Orte der Stille und grüsse herzlich
 
Aschi Rutz

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