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 + Zwingli + Zaratustra + Zölibat
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
23.08.2019
Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur
Liebe Leserin, lieber Leser
Schon wieder Zwingli? Ja, schon wieder, und das muss sein. Aber aufgepasst, katholische Leserinnen und Leser, heute geht’s um ‘unseren’ Zwingli, den katholischen Priester und Theologen und was wir und seine reformatorischen Schwestern und Brüder aus ihm gemacht haben. Symbolisch dargestellt als «Bischofs-Zwingli» posiert der wortgewaltige Grossmünster-Pfarrer dieser Tage neben seinem Sockel bei der Wasserkirche, schon seit einiger Zeit ziert er mit Bischofs-Hut auf einem Mega-Poster das Gebäude der neuen Paulus Akademie an der Pfingstweidstrasse.
Bischof-Zwingli an der Wasserkirche
Dass Zwingli viel mehr mit uns zu tun hat, als wir Katholiken denken – und viel mehr, als den Reformierten lieb sein kann – , beschreibt der (katholische) Journalist und Medienprofi Clemens Studer in einem lesenswerten Essay.

Was Zwingli allen christlichen Konfessionen unserer Tage zu sagen hat, diskutieren heute Abend in der Wasserkirche Abt Urban Federer von Einsiedeln, Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding, der christkatholische Bischof Harald Rein und der heutige Grossmünsterpfarrer und Zwingli-Nachfolger Christoph Sigrist.

Speziell ist ja, dass im Gegensatz zu Zwinglis Zeiten heute alle christlichen Gemeinschaften de facto eine gesellschaftliche Minderheit darstellen. Wie können sie so, in der Tradition des Zürcher Reformators, die Stimme des Evangeliums in die Gesellschaft einbringen? Jede für sich, oder nicht doch besser gemeinsam? Bisher war es ja mit Ökumene im Rahmen des Reformationsjubiläums nicht weit her. Heute soll es anders sein. Und heute Abend essen und trinken alle gemeinsam Zwingli-Bier und Zwingli-Wurst – ganz unzwinglianisch und urkatholisch sogar gratis.
Zwingli-Plakat an der Paulus Akademie. Foto: P. Knup 
Wagen wir den Sprung vom kleinen Zürich in die weite Welt, von der Ökumene vor Ort zum weltweiten Dialog der Religionen. Der wurde diese Woche beim globalen Treffen der Religionen in Lindau (D) gepflegt. 900 Teilnehmende aus 125 Ländern, sämtliche namhaften Religionen von Bahai bis Zoroastrismus, viel politische Prominenz. Ehrlich gesagt habe ich auch meine Fragezeichen zu solchen Mammutveranstaltungen. Aber sie bieten Gelegenheit, die Scheinwerfer der Öffentlichkeit einen Moment auf die Sache der Religionen zu lenken.

Spiegeln die Medien meist Religionen als Ursache für Krieg und Konflikte (was natürlich leider auch ein Teil der Realität ist), gings in Lindau darum, das Potential von Religionen für den Frieden ins Bewusstsein zu heben. Dieses Potential nutzen zunehmend auch staatliche Entwicklungsprogramme. So erklärt mir der katholische Theologe Ulrich Nitschke, der im Auftrag der deutschen Regierung das ‘Sekretariat der Internationalen Partnerschaft Religion und Entwicklung’ leitet: «Bereits 2014 hat unser Bundesministerium die Weltreligionen als Werteressource für Frieden und nachhaltige Entwicklung neu entdeckt. Medien zeigen Religionen meist als Brandbeschleuniger. Wir zeigen, wo an vielen kleinen Orten der Welt durch religiöse Akteure Frieden und Verständigung ermöglicht und gelebt wird.» Eine permanente Aufgabe, die sich auch uns Kirchen vor Ort immer wieder neu stellt.

Übrigens: Zur neuen Generalsekretärin der veranstaltenden Organisation «Religions for Peace» wurde gestern die gebürtige Ägypterin Azza Karam gewählt: als erste Frau und erste Muslima. Karam ist Religionswissenschaftlerin, lehrt in Amsterdam und berät auch die UNO zu Fragen der Religionen. Eine Frau, die wir uns merken sollten.
Love Ring: Symbol der Religionen in Lindau 
Und wenn wir schon bei den Weltreligionen sind, hier noch ein Termin zum Vormerken: 1. September ist Tag der jüdischen Kultur. In Zürich gibt’s Konzerte und im Kino UTO den Film «Sleeper» von Woody Allen, anschliessend eine Diskussion.
Zurück zu Mutter Kirche. Hier hat sich einer der höchsten Repräsentanten mal wieder blamiert. Der päpstliche Nuntius nahm zuhanden von Papst Franziskus am Dienstag eine von 620 Personen unterzeichnete Petition «Zeichen gegen Missbrauch» entgegen. Eine Eingangsbestätigung oder gar eine Antwort sei, wenn überhaupt, «frühestens in sechs Monaten» zu erwarten. Hallo, sechs Monate für eine Eingangsbestätigung? Wenn morgen in Zürich ein Bischof eine Frau zur Priesterin weihen würde, käme die Bannbulle aus Rom wohl schneller als die Feuerwehr. Da sieht man, was wirklich wichtig ist. Der Nuntius hätte besser geschwiegen.

Noch eine zweite Petition zur Liberalisierung des Zölibats ging diese Woche Richtung Rom, unterzeichnet von über 5000 Personen. Ob sie früher eine Antwort erhalten? Übrigens, auf den im April verfassten Offenen Brief des Zürcher Generalvikars und der Synodalratspräsidentin traf auch noch keine Eingangsbestätigung aus Rom ein. Ist aber auch noch kein halbes Jahr her.
Alle, die etwas Neues versuchen, können auch scheitern. Das ist auch in der Kirche so. Wie aus dem Scheitern lernen, statt sich entmutigen zu lassen? Darüber diskutieren nächsten Dienstag im Kosmos in Zürich kirchliche Mitarbeitende mit kirchlichen Verantwortungsträgern. Scheitern als Schlüssel zum Erfolg – die Schlüsselgewalt also mal ganz anders gedeutet.
 
Genug für heute, geniessen wir nun das hoffentlich sonnige Wochenende.
Ihr Simon Spengler

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