Copy
Stille + Stil  + Stigma 
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
30.08.2019
Kerstin Lenz, Informationsbeauftragte Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Allenthalben höre ich Gestöhne: Es ist schon wieder so viel los, dabei sind doch die Ferien gerade vorbei. Vollgas in Geschäft und Schule, Sozialstress am Wochenende mit Familienfeiern und Pfarreifesten. Als ob die Ferienzeit verlorene Zeit gewesen wäre, die jetzt mühsam wieder aufgeholt werden muss.
Da empfehle ich rotierenden Familienfrauen (inklusive mir selbst), es einmal mit der Stille zu versuchen. Ein rares Gut. Das neue Portal «Schweiz in Stille» versammelt Angebote und Orte der Stille, wie zum Beispiel die Predigerkirche und das Studentenhaus Aki hier in Zürich.
Der Lindenhof ist ein Ort auf der «Weiler»-App. Bild: Sir Robin
Eine neue App, die die Mitarbeitenden vom Projekt «Kirche Urban» mit Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt haben, ist ein digitaler Stadtführer und führt zu Orten zum Verweilen - still und doch mitten im Leben und in der Stadt Zürich. Sie heisst «3:33 Weiler» und kann schon jetzt heruntergeladen werden. Wieso 3:33? An jedem Ort leitet die App zu einer Stille von 3 Minuten 33 Sekunden an. Aha.
Wer sein Leben im «vollen Galopp» lebt, und es dann mal mit Stille, Einkehr und Meditation versucht hat, der kann den Ausspruch des bekannten Jesuiten und Zen-Meisters Niklaus Brantschen nachvollziehen: «Stille ist nichts für Feiglinge».
Tatsächlich hat uns der Alltag erreicht: Wie jedes Jahr macht der «Marsch fürs Läbe», in Zürich geplant für den 14. September, schon im Vorfeld von sich reden. Dem Umzug der Abtreibungsgegner, die nicht nur aus konservativ-katholischen sondern auch aus reformierten und freikirchlichen Kreisen stammen, ging ein juristisches Hin- und Her voraus. Die Stadt Zürich verbot den Zug durch die Stadt zunächst. Das Verbot hob das Verwaltungsgericht wieder auf. Die Begründung war klar: das Verbot würde die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit einschränken. Richtig so.
Marsch fürs Läbe im Jahr 2015. Bild: kath.ch 
Einen schalen Geschmack hinterlässt bei mir trotzdem die Bildsprache, die der Verein auf seinem Auftritt im Netz und auch bei dem Umzug wählt: glückliche Kinderbilder auf der einen Seite, blutige Föten und Kindersärge auf der anderen. Eine Frage des Stils oder schon Stigmatisierung von (betroffenen) Frauen? Wer Kinder hat, weiss, wie herausfordernd dies sein kann – auch ohne finanzielle Sorgen, ohne einen gewalttätigen Partner, ohne eine chronische Erkrankung, ohne eine ungewollte Schwangerschaft. Wer will urteilen?
Ist auch das wieder Alltag? Diese Woche ging Bischof Markus Büchel aus dem Bistum St. Gallen an die Öffentlichkeit und informierte, dass gegen einen pensionierten Priester aus seinem Bistum Strafanzeige wegen Missbrauch erstattet wurde – auch wenn die Taten schon recht lange her sind. Der Priester gestand die Übergriffe auf das damals 13jährige Opfer. Dieses erhält einen Betrag von 20 000 Franken als Genugtuung. Auch bei den kirchlichen Behörden in Rom wurde der Täter angezeigt, diese eröffneten ebenfalls ein Verfahren.

Die Kommunikation rund um den Fall lief nach aussen hin professionell ab. Sowohl der Bischof als auch der Anwalt sowie die Sprecherin des zuständigen Fachgremiums gaben den Medien umfassend Auskunft, so dass zwar ausführlich, aber nicht reisserisch berichtet wurde.
Streit um den Flugverkehr ist im Tösstal Alltag und weckt Emotionen. Im Tösstal zu Hause ist auch der neue Synodenpräsident Felix Caduff. Nicht nur der Fluglärm treibt ihn um, sondern auch der Klimaschutz: «Christen bleiben besser am Boden», sagt Caduff und diskutiert am 4. September mit Gästen aus Politik zu den Auswirkungen der Flugverkehrs auf Klima, Umwelt und Gesundheit.
 
Willkommen im Alltag! Machen wir das beste draus und geniessen das pralle Leben mit Anregung, Aufregung und - Stille. Vielleicht am Sonntag im Gottesdienst? Herzlich Kerstin Lenz

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen an: newsletter@zhkath.ch
Sie möchten unseren neuen Newsletter weiter empfehlen?
Bitte schicken Sie an interessierte Personen den folgenden Link:
http://www.zhkath.ch/newsletter