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Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
15.03.2019
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser
Auf den ersten Fastensonntag hin hat Bischof Vitus Huonder seinen letzten Hirtenbrief mit dem Titel «Der Weg des Heils» geschrieben. Darin fasse er zusammen, was für den Weg des Glaubens dringend notwendig zu wissen sei, schreibt der Bischof im Vorwort. Wieso soll einem Hirtenwort nicht ein Herdenecho folgen? Das fragte ich mich und bat einen als besonnen und menschennah geltenden Pfarrer vom Lande um dessen Kommentar. «Ein löbliches Schreiben, das im Gottesdienst vorzulesen mir beschieden war», sagte er. Es stünde wirklich alles drin, was zu sagen wichtig sei. «Geärgert hat mich nur eines: Das falsche Datum. Statt 2019 müsste da nämlich 1959 stehen. Da passt das Schreiben hin, aber nicht in unsere Zeit.» Sprach`s, schüttelte den Kopf und wollte dann lieber über Themen nachdenken, die ihn und die Gläubigen in der Pfarrei wirklich beschäftigen.
Sorgenfalten bescheren vielerorts die rekordhohen 5800 Kirchenaustritte im Kanton Zürich. Noch im Herbst hatte eine provisorische Umfrage bei den Kirchgemeinden auf einen deutlich geringeren Anstieg hingewiesen. «Auf Ende Jahr hin hat es dann aber offenbar gehagelt,» analysiert Kollege Simon Spengler die Grosswetterlage auf Anfrage der NZZ. Diese titelt «Missbrauchsfälle treiben die Menschen aus der Kirche» und verweist damit auf eine der vielen Ursachen.

Nach dem französischen Kardinal Barbarin wegen Vertuschung ist diese Woche in Australien Kardinal Pell wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden. Dies zeigt, dass unbesehen von Rang und Namen schonungslos für Aufklärung und Rechtsprechung gesorgt wird. Gut so. Erklärungsversuche hingegen, die den Teufel oder Monster verantwortlich machen, treiben mich zur Weissglut, weil sie die Glaubwürdigkeit der Kirche gleich nochmals gefährden. Den angekündigten Paradigmenwechsel kann ich erst in dem Moment als verinnerlicht ernst nehmen, da endlich einmal einer der Täter oder Verantwortlichen hinsteht und bekennt: «ICH habe versagt. ICH habe vertuscht. ICH bin ein Täter und habe einen anderen Menschen zum Opfer gemacht. Und: ICH übernehme die Verantwortung für meine Tat.» Die Kirche hat eine letzte Chance, Glaubwürdigkeit zu bewahren. Und die kann sie nur einmal vergeigen.
 
Lange Zeit war immer nur davon die Rede, dass Ordensgemeinschaften grosses Potenzial hätten, neue Impulse zu setzen. Jetzt zeigt es sich in aller Deutlichkeit. So bestärken Franziskanerinnen und Franziskaner, Kapuzinerinnen und franziskanisch Engagierte Papst Franziskus zum 6. Jahrestag seiner Wahl in einem offenen Brief auf seinem entschiedenen geschwisterlichen Weg.

Der «Weg der Geschwisterlichkeit» ertrage weder Zentralismus noch autoritäre Führung, weder Priesterherrschaft noch eine Politik der starken Hand. Auch Menzinger-Schwester Alix Schildknecht vom Zentrum für christliche Spiritualität in Zürich gehört zu den Erstunterzeichnenden, die beherzte Reformen fordern.
Erleuchtung für die Kirche bringt hoffentlich Erleuchtung in der Kirche – mindestens in der Pfarrei Heilig Geist Höngg. Die drei neuen Glasfenster von Horst Thürheimer tauchen die Kirche in ein besonderes Licht. Sie laden zum Meditieren und Nachdenken ein. Zum Beispiel über eine Nussschale – die Arche Noah? – oder ist es doch ein Flüchtlingsboot? Der Höngger Pfarrer Marcel von Holzen sieht die Kirche «als Boot, in dem alle ebenbürtig beisammen sind und gemeinsam – vom Heiligen Geist bewegt – neue Ufer entdecken wollen». Die Höngger Quartierzeitung hat einen längeren Beitrag zur Einweihung geschrieben. Wir wünschen «Gut Wind und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!»
Erleuchtet war mit Sicherheit die Synode als Kirchenparlament der Zürcher Katholikinnen und Katholiken: Für Soforthilfe zugunsten der notleidenden Bevölkerung in Jemen spendet sie 100‘000 Franken ans Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das als eine der wenigen Hilfsorganisationen überhaupt im Jemen aktiv sein kann.
Eigentlich selbstverständlich, dennoch erwähnenswert: Frauen in Führungspositionen in der Kirche. Am Tag der Arbeit übernimmt Sabine Zgraggen die Leitung der katholischen Spital- und Klinikseelsorge. Die bisherige Leiterin Tatjana Disteli wechselt als Bereichsleiterin «Seelsorge im Gesundheitswesen und Inklusion» sowie «Ökumenische Seelsorge» ins Generalvikariat. Und: Unsere Freien Katholischen Schulen Zürich FKSZ haben ab Schuljahr 2019/20 mit Isabelle Bächli eine Frau zur Rektorin der Sekundarschule Sumatra gewählt. Geht doch. Fortsetzung folgt…
 
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen 2. Fastensonntag.

Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat
 
Psst! Unter uns: Was kommt in der Agenda eigentlich noch vor dem 21. April?
Richtig: Der 19. März, Josefstag! Die Gelegenheit, unserem Generalvikar Josef Annen zum Namenstag zu gratulieren… ;-)

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