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Willi Anderau + Franziskus + Pfarrei Guthirt

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
29.03.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser

 
«Ist genug noch nicht genug?», fragt der Kapuziner Willi Anderau in seinem Blog von dieser Woche. «Spätestens jetzt müsste die rote und die violette Fraktion im Vatikan realisieren, dass das System geändert werden muss.» Er schreibt dies, nachdem er den Film «Gottes missbrauchte Dienerinnen» im Schweizer Fernsehen gesehen hat. Ob er sich auch den Rundschau-Beitrag dieser Woche zu den sexuellen Übergriffen an gehörlosen Schülern im katholischen Antonio Provolo-Institut in Verona angetan hat, weiss ich nicht. Auch dieser Film ist widerlich, weil die Taten und Täter bekannt sind und die Kirche wegschaut.
 
Es hört nicht auf. Und der Vatikanexperte Marco Politi im Schweizer Radio sagt, dass wir erst die Spitze des Eisbergs bei den Missbrauchsfällen kennen würden. Die meisten Bischofskonferenzen würden die Null-Toleranz-Politik von Papst Franziskus sabotieren, einige den Papst auch gezielt belügen. Es tobe ein eigentlicher Bürgerkrieg. Einen so grossen Widerstand innerhalb und ausserhalb der Kirche gegen einen Papst habe es in der jüngeren Geschichte noch nie gegeben. Gerade eben erreicht mich noch die Meldung, dass der Papst heute Freitag Gesetze und Richtlinien gegen Missbrauch veröffentlicht hat.

Was mir klar scheint: Bedauern, Schuldgeständnisse und harte Massnahmen im Kampf gegen sexuelle kirchliche Übergriffe reichen nicht. Die Krise der katholischen Kirche ist eine Systemkrise. Und diese Krise zeigt sich nicht nur im Vatikan, sondern auch in der Schweiz. So stellt Luc Humbel als Präsident der RKZ, dem Zusammenschluss aller Kantonalkirchen in der Schweiz, an der Plenarversammlung von dieser Woche fest, dass es der Bischofskonferenz hierzulande trotz der «wohl grössten Krise der vergangenen Jahrzehnte» nicht gelinge, die Reihen zu schliessen und zusammen mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften für eine erneuerte und glaubwürdige Kirche einzutreten.
 
Bischof Felix Gmür sprach von der «Kirche im Gegenwind» und forderte, «das, was zu tun sei, gemeinsam zu tun». Es gelte, im dualen System «dem Zerbröckeln des Zusammengehörigkeitsgefühls nicht Vorschub zu leisten». Denn «Gliedschaft in der Kirche und Mitgliedschaft in der staatskirchenrechtlichen Körperschaft» gehören nach Auffassung der Schweizer Bischöfe grundsätzlich zusammen.
 
Da sind wohl nicht alle Bischöfe mitgemeint. Luc Humbel in seinem Eingangsvotum: Statt «die Reihen zu schliessen» und gemeinsam für eine erneuerte und glaubwürdige Kirche einzustehen, werden von Chur aus stetig Brandbeschleuniger gegen die besorgten Laien geworfen und nach Rom werden im Vorfeld der Bischofsernennung Lügen und wahrhaftige «fake news» kolportiert. Dies ist verwerflich und unchristlich.
Ja, was sagt denn die Hierarchie in Chur zur aktuellen Krise der Kirche: Beim Bischof herrsch Funkstille, derweil sein Mediensprecher munter in den sozialen Kanälen twittert, dass es Zeit sei für die Trennung von Kirche und Staat. Er sei dann schon mal dabei …

Die Hoffnung, so habe ich gelernt, stirbt nicht, auch nicht zuletzt. Es lohnt sich, für die Botschaft Jesu und für all das Gute, was kirchlich Engagierte täglich nicht nur predigen, sondern auch tun, weiterhin einzustehen. Darum ist es so wichtig, dass zur aktuellen Krise, in der die katholische Kirche steckt, in der Öffentlichkeit Stimmen laut werden. Und das passiert wirklich.
 
So fordern zum Beispiel über 300 Theologinnen in einem Papier mit dem Titel «Wir haben es satt!» von Bischof Felix Gmür und allen Schweizer Bischöfen eine andere, nicht-klerikale Kirche umfassender Gleichwertigkeit und neuer Glaubwürdigkeit. Die Pfarrei Guthirt Zürich prangert in ihrer Stellungnahme die heuchlerische Haltung der Amtskirche zur Sexualität an, verlangt Wertschätzung und Toleranz vor allem gegenüber Menschen in schwierigen Situationen, zweifelt am Pflichtzölibat und stellt sich gegen eine Amtskirche mit einer absolutistisch-monarchistischen Struktur, die Machtmissbrauch fördere. Und der Kapuziner Willi Anderau verlangt ultimativ: «Die Zweiteilung der Kirche in gehorsam hörende Laien und anordnende Kleriker muss abgeschafft werden, weil unevangelisch. Die konsequente Gleichberechtigung von Frauen und Männern muss endlich auch in der römisch-katholischen Kirche realisiert werden.»
Zum Schluss noch drei Tipps: Wie bunt das Christentum im Kanton Zürich ist, zeigt ein handlicher Leporello der Zürcher Instituts für interreligiösen Dialog. Im Regionaljournal Zürich Schaffhausen erzählt ein junger Muslim über seine Ausbildung zum Seelsorger. Der Kanton Zürich bildet aktuell ein Dutzend Muslime aus, unterstützt auch von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Und noch bis Ende Juni bietet das Landesmuseum die Ausstellung «Sündenbock» an.
 
Geniessen Sie, was der Frühling uns schenkt.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende und grüsse Sie herzlich
 
Aschi Rutz

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