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 Frauen Fakten Folgen

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
07.09.2018
Kerstin Lenz, Informationsbeauftragte Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Krass! Diese Woche schlugen die Wogen mal wieder hoch – nicht nur kirchenintern, sondern in aller Öffentlichkeit. Im Club auf SRF („Schweigen in der Soutane“) debattierten hochrangige Kirchenvertreter, ein Missbrauchsopfer, ein Psychologe und eine Seelsorgerin – inklusive hoher Emotionalität, ja, Sie raten richtig: natürlich von weiblicher Seite. Zu recht. Monika Schmid, Pfarreileiterin aus Illnau-Effretikon, überzeugte, weil und obwohl sie um Fassung ringen musste, mit klaren Worten: „Wenn unsere Kirche die Gnade hätte, wirklich Frauen auf Augenhöhe zuzulassen, in alle Ämter mit Zugang in Leitungsfunktionen, dann wäre das Problem nicht in diesem Ausmass in unserer Kirche da.“ Emotional und authentisch – typisch Frau eben… Verdreht beim Lesen gerade jemand die Augen? Oder nickt zustimmend? Immer diese Klischees…

Klischees aus Chur, wie immer nichts Neues. „Homosexuelle Subkultur und Netzwerke“ sind die Schlagworte, die durch dauernde Wiederholung nicht wahrer werden. „Ein Mann auf sehr lauter und prekärer Mission“, schreibt ein sonst zurückhaltender Zürcher Jesuit auf Facebook und empfiehlt dem Urheber verschiedene Lektüre zum Studium, um die propagierten Fakten sowie die Folgen zu überdenken.

Generalvikar Josef Annen, Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und Synodenpräsident Alexander Jäger reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme: „Wir empfinden es als unerträglich und unerhört, dass die Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche dazu missbraucht wird, die Einheit der Kirche zu gefährden, um eigene Ziele zu verfolgen.“

Ein Jugendarbeiter der Jugendseelsorge Zürich schrieb: „Ich weiss ganz ehrlich nicht, wieso gewisse Herren eine so grosse Plattform für ihre noch so schwachsinnigen homophoben Kommentare in der Öffentlichkeit kriegen. Ich bin dafür, dass wir eine Diskussion über Werte, Sexualität und Diversität in der Kirche führen. Aber dieser Diskurs soll auf Augenhöhe und unter erwachsenen Menschen stattfinden.“  

Und noch etwas gebe ich gern mit auf den Weg, diesmal von Jesuiten-Pater Klaus Mertes aus Deutschland: „Jeder, der im Modus der Selbstgerechtigkeit über Missbrauch spricht, fällt als seriöser Gesprächspartner zu dem Thema aus.“ Tipp: Wer mehr von Pater Klaus Mertes hören möchte, kann ihn am 15. September in der Hochschulseelsorge aki erleben. Er hält den Festvortrag zum 100jährigen Bestehen der Institution am Hirschengraben 86.  

Der lauschige Aki-Garten. Foto: C. Wider
Klischee und Kirche, jetzt mal positiv: Die Kirche setzt sich für Menschen am Rand ein! Und das zeigen wir am 15. September: Unter dem Motto #WoEsUnsBraucht öffnen kirchliche Institutionen und Projekte in der Stadt Zürich ihre Türen und bieten Einblicke in ihr soziales Engagement. Hier setzen wir uns ein für Armutsbetroffene, Randständige, Kranke, Häftlinge und andere Hilfsbedürftige. Wie wäre es, wenn dies auch Wogen schlagen würde?!? Bleibt wahrscheinlich ein frommer Wunsch.
Zurück zu den anderen Wogen dieser Woche: Zugegeben, ich bin in der Auswahl der zitierten Artikel und Aussagen tendenziös, ich kann und will nicht anders, auch wenn ich ob der grossen Aufregung einiger Zeitgenossen manchmal ein bisschen mit den Schultern zucke. Ist doch eigentlich alles wie immer – Rom, Chur, Zürich. Hauptsache, der heilige Schein ist gewahrt, oder – Achtung Klischee! die Frisur sitzt.
Und jetzt gehe ich gern in meine Küche (noch ein Klischee!), koche ein feines Apfelmus mit dem leckeren Obst, das von Nachbarsgarten über den Zaun hing … schöne Normalität! Ich wünsche Ihnen ein freudvolles Wochenende mit vielen interessanten Begegnungen und einen gesegneten Sonntag, Kerstin Lenz
Simon Spengler, Aschi Rutz, Kerstin Lenz, Arnold Landtwing

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