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Zwingli + Frauen*KirchenStreik + Aufbruch
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
10.05.2019
Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur
Liebe Leserin, lieber Leser
Endlich wieder ein Wochenabschluss mit «Grüss Gott Zürich». Stammleserinnen und -leser unseres Newsletters, die sich während der Osterferien besorgt nach unserem Wohlbefinden erkundigt hatten, dürfen aufatmen. Nun, es geht uns bestens, die Ferien und Feiertage waren schön, aber sind vorbei. Bis zu den nächsten heisst es also wieder jeden Freitag in neuer Frische «Grüss Gott Zürich», versprochen!
Ganz frisch auch unsere erste Nachricht: Zürich hat einen neuen Bischof! Sie glauben es nicht? Schauen Sie sich das Plakat am Baugerüst der neuen Paulus Akademie an der Pfingstweidstrasse an, da hängt er im Mega-Format 17 auf 6 Meter: Zwingli mit Mitra, spiegelbildlich gegenüber dem Original Zwingli mit Reformatorenhut.
Was das soll? Nun, einmal ein Symbol für den Ort des Dialogs, der hier entsteht. Dann ein Zeichen dafür, dass auch in katholisch Züri ein Schuss Zwingli-Geist steckt: Offenheit für Neues, Konzentration aufs Wesentliche, Mut für Veränderung. In diesem Sinne könne «Zwingli ein Vorbild sein für den neuen Bischof von Chur», meint Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding.
Der neue Bischof von Chur lässt bekanntlich auf sich warten. Aber ob der ein paar Wochen früher oder später kommt, spielt keine Rolle. Nur die Art und Weise, wie das Auswahlprozedere läuft, bestätigt einmal mehr alle Clichés über die intransparente, selbstbezogene, arrogante und autokratische Machtelite in unserer Kirche. Und das ist unsäglich schlimm. Ein Schuss Zwingli tut wahrlich Not. Aber auch nicht zu viel, schliesslich wollen wir katholisch bleiben.
Schlimm auch, was über die Ränkespiele des alten Bischofs ans Tageslicht kommt. Versuchte er doch, ein Bündnis mit den schismatischen Pius-Brüdern zu schmieden, um in Rom den Widerstand gegen Öffnung und Reform zu formieren. Das besagt zumindest ein internes Protokoll der Traditionalisten-Bruderschaft. Ein Dementi aus Chur blieb aus.
Wenden wir uns der Zukunft zu und lassen wir Vergangenes vergangen sein, auch was den alten Bischof von Chur angeht.
 
Papst Franziskus schrieb gestern eine weltweite Meldepflicht für Missbrauchsfälle ins kirchliche Gesetzbuch. In jedem Land muss auch zwingend eine Anlaufstelle für Opfer geschaffen werden. Dazu noch diverse andere Bestimmungen, die klar machen, dass Franziskus im Kampf gegen dieses Krebsgeschwür nicht nur fromme Worte sagt (was ihm immer wieder vorgeworfen wird), sondern auch Taten folgen lässt. Danke! Hoffentlich hat er den Mut und die Kraft, auch die tief liegenden Systemfehler in der Kirche anzugehen, die Missbrauch begünstigen.
 
Zukunft gestalten und nicht einfach tatenlos zuwarten, was kommen mag, das wollen die Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Dafür setzte der Stadtverband an seiner Delegiertenversammlung vier Strategiegruppen ein, im Herbst sollen erste Resultate präsentiert werden. Mir kribbelt`s schon in den Fingern.
 
Immer stärker auch der Aufbruch unter den Kirchenfrauen. An ganz vielen Orten regt sich Widerstand gegen überkommene Strukturen, stehen Frauen und Männer ein für eine lebensfrohe, gleichberechtigte und menschenfreundliche Kirche. Der Frauen*KirchenStreik verbreitet schon jetzt ein bisschen Stimmung wie damals, als wir dieses Lied sangen: „Unter dem Pflaster, da liegt der Strand, komm reiss auch du ein paar Steine aus dem Sand“
Damit sind wir nun bei der Kultur angekommen. Hier verspricht die kommende Woche ein paar Highlights. Einmal die Vernissage zu einem Kunstprojekt in der Predigerkirche, wo Raum, Ton und Bild zu einem Gesamtwerk werden. Mehr dazu im Blog von Thomas Münch.
 
Montag eröffnet im Pfarreizentrum Liebfrauen die «Wanderausstellung facettenreich», welche eindrückliche Bildergeschichten zu Migration und Diskriminierung zeigt.
 
Donnerstag dann die Buchvernissage von Pro Mahnmal, welche an das vergessene und verdrängte Schicksal von Opfern des Zürcher Hexenwahns erinnert. 
 
Jetzt freue ich mich noch über den neuen Jahresbericht der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, der gestern die Druckerpresse durchlief. Auch Sie dürfen sich auf die bunte Religionslandschaft und die Vielfalt unserer Kirche freuen.
Und zum Schluss wünsche ich allen Müttern unter unseren Leserinnen einen frohen Muttertag. «Das Paradies liegt zu Füssen der Mütter», soll Mohammed gemäss einem berühmten Hadith (Prophetenspruch) gesagt haben. Wo er recht hat, hat er recht.
 
Ihnen allen einen gesegneten Sonntag.
Simon Spengler

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