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Ferienreise + Bischof-Zwingli + Synodaler Prozess

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
16.08.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser

Sommerferien. Geplant ist eine Reise zu Freunden und der Wunsch, endlich mal für ein paar Tage in einem Maiensäss zu logieren.    
Es hat Spass gemacht: Meine Frau und ich packten unsere Reisetaschen und Rucksäcke für drei Wochen und machten uns auf den Weg, ohne genau zu wissen, wo es uns als Nächstes hinzieht. Ein paar Eckpunkte waren gesetzt, alles andere bescherten uns Wunsch und Zufall.

Kirchweihe mit Prozession in Ahornach, einem kleinen Bergdörfchen an den Nordhängen des Tauferer Ahrntals im Südtirol. Foto: Aschi Rutz

Konfuzius mit im Gepäck, war der Weg das eigentliche Ziel, auf dem sich Begegnungen und Wanderungen, Erfahrungen und Einsichten, Annehmlichkeiten und Unbequemes sowie ein paar Überraschungen ablösten. Zugegeben: Diese Art zu reisen nötigt einem zuweilen Geduld beim Warten und Ausdauer beim Schleppen, Umsteigen, Suchen und Organisieren ab. Dabei hilft eine gute Portion Gelassenheit. Ich bin noch immer am Üben.

Geduld, Ausdauer und Gelassenheit sind nicht nur bei dieser Art zu reisen gefragte Begleiterinnen. Es sind Tugenden, mit denen gerüstet es sich entspannter für und in der Kirche arbeiten lässt. Dies zeigt zum Beispiel die Geschichte im Tages-Anzeiger: Reformator Ulrich Zwingli bestieg bekanntlich 1519 zum ersten Mal die Kanzel des Zürcher Grossmünsters. Die Frauen mussten 400 Jahre warten, bis eine Pfarrerin dasselbe tun durfte. Auf katholische Pfarrerinnen müssen wir wohl noch etwas länger warten …
 
Schmunzeln musste ich als Luzerner, wie diese bei Story und Waffen rund um den Tod Zwinglis getrickst haben. Wie die NZZ diese Woche schreibt, ist die raffinierte Inszenierung der Innerschweizer nach 500 Jahren definitiv Geschichte.
 
Es hat auch 500 Jahre gedauert, bis Zwingli als Bischof mit Mitra und Stab aufgetaucht ist. Gesehen vor der Wasserkirche, was sicher zu reden geben wird…
 
Viel Geduld, Ausdauer und Gelassenheit erfordern auch die aktuellen Diskussionen und Stellungnahmen der Kirchen zur Ehe für alle respektive zur Homosexualität. Eine offizielle Haltung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich gibt es bislang nicht, eine persönliche Stellungnahme von Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding liegt aber nach entsprechenden Medienanfragen vor: «Ich bin klar der Überzeugung, dass die katholische Kirche eine liturgische Form finden muss, mit der auch homosexuellen Paaren der Segen Gottes zugesprochen werden kann.»

Vorschau auf das Zwingli-Gspröch in der Wasserkirche. Foto: Aschi Rutz

Geradezu unabdingbar sind die drei Tugenden auch beim synodalen Prozess, den die deutschen und helvetischen Bischöfe noch vor den Sommerferien angekündigt haben. Sie reagieren damit auf die verschiedenen offenen Briefe und Appelle, die zur Erneuerung in der katholischen Kirche aufrufen. Gespannt ist man auf den nächsten Schritt der Schweizer Bischofskonferenz, erwartet doch Luc Humbel, Präsident der RKZ, nach den erfreulich offenen Worten auch Taten. Gemeldet hat sich diese Woche auch Jungwacht Blauring, der grösste katholische Kinder- und Jugendverband der Schweiz. Er freue sich darauf, sich zusammen mit den Bischöfen, den Landeskirchen und weiteren kirchlich Engagierten für eine zukunftsfähige Kirche Schweiz einzusetzen

Papst Franziskus ermutigt zu Erneuerungsdebatten. Foto: Bernard Hallet

Papst Franziskus hat sich mit einem persönlichen Schreiben in die Reformdebatte des nördlichen Nachbarlandes eingeschaltet (Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz müssen wohl noch etwas warten …). Franziskus begrüsst darin den eingeschlagenen synodalen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Synodalität von unten nach oben bedeute die Pflicht, «für die Beteiligung der Laien Sorge zu tragen». Und weiter: «Achtet aufmerksam auf jede Versuchung, die dazu führt, das Volk Gottes auf eine erleuchtete Gruppe reduzieren zu wollen, die nicht erlaubt, die unscheinbare, zerstreute Heiligkeit zu sehen, sich an ihr zu freuen und dafür zu danken.»

Ich bin auf unserer Reise der unscheinbaren, zerstreuten Heiligkeit immer wieder begegnet und habe mich an den vielen kleinen schönen Dingen entlang des Weges dankbar gefreut. Dazu gehörten vor allem die fünf Tage auf dem bescheidenen Maiensäss ohne fliessend Wasser dafür mit Weitblick und einem ökumenischen Gottesdienst auf der Alp etwas oberhalb.
Weitblick vom Maiensäss in die Surselva. Foto: Aschi Rutz
Die Ferien sind Vergangenheit, der Alltag hat mich wieder. Es bleiben die Erinnerungen an eine eindrückliche Reise. Und das Üben von Geduld, Ausdauer und Gelassenheit. Ich wünsche Ihnen ein gutes Ankommen im Alltag und grüsse herzlich
 
Aschi Rutz
 

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