Copy
Provokation Konzil Red Bull
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
20.09.2019
Aschi Rutz, Informationsbeauftragter Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
«HIMMEL – [HERR]GOTT – SAKRAMENT» Nein, kein herzhafter Fluch, sondern eine publizistische Provokation der kreativen Art – drei Rubriken eines völlig neuen Magazins, das die Menschen in Oberösterreich auf eine Spurensuche mitnehmen will. Aufzeigen, wo überall Kirche «drin» ist, was Christsein im Alltag heisst. Die Diözese Linz hat sich mit Red Bull Media House zusammengetan, einem der erfolgreichsten Magazin-Entwickler. Entstanden ist «Grüss Gott!», eine 76seitige Zeitschrift über Gott und die Welt, die diese Woche allen 700'000 Haushalten des Bistums nach Hause geschickt wird.
Eine Provokation anderer Art war einmal mehr «Der Marsch fürs Läbe», der zu Krawallen, zu einem Eklat im Kantonsrat und zu einem gewaltigen Medienecho geführt hat. Vorneweg: Es gehört zu unserer Meinungsfreiheit, dass eine solche Demonstration stattfinden kann. Sie muss geschützt werden, wenn diese durch Gewaltandrohung verhindert werden soll. «Der Marsch fürs Läbe» war mehr als eine Demonstration, es war eine Provokation der hetzerischen, ja gottlosen Art.

Diese Christen geben vor, sich für das ungeborene Leben und Menschen mit Behinderung, für das Leben einzusetzen, sprechen den Frauen aber gleichzeitig das Recht auf Selbstbestimmung ab, schwingen die Nazikeule gegen Andersdenkende und sehen Homosexuelle als störende Geschöpfe der Schöpfung. Sie machen ihre Vorstellungen zu Ordnungen Gottes und werfen IHM nichts weniger als Pfusch vor, hat er doch in ihrem Verständnis alle Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. Wäre es nicht die Aufgabe der Kirche, mit Empathie, Achtsamkeit und Respekt die Sorgen und Nöte von Menschen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören, statt sie zu verunglimpfen und zu verurteilen? Diese Frage stellt Kirchenratspräsident Michel Müller im Blog diesseits zu Recht.
Ob sich diese fundamentalistischen Christinnen und Christen wohl auch angesprochen fühlen vom Vorschlag der Schweizer Bischofskonferenz für einen Erneuerungsprozess der Kirche? Wohl kaum, gehören sie eben gerade nicht zu den leisen Stimmen und halten vom «Charisma des Zuhörens» wenig. Ziel des Prozesses sei es, so der Basler Bischof Felix Gmür, die aktuelle Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden. Die Frustration sei vielerorts hoch und an Themen fehle es nicht: Glaube und Glaubensweitergabe, Rolle der Frauen, Zölibat, sexuelle Übergriffe, Machmissbrauch.

Eine Empfehlung der Bischofskonferenz vom Frühjahr wird im Bistum Chur ab dem 1. Oktober konkret umgesetzt. Stefan Loppacher übernimmt im Auftrag des Apostolischen Administrators die neu geschaffene Stelle eines Präventionsbeauftragten im Umfang von 50 Prozent. Die noch offenen 50 Stellenprozente werden ab Januar 2020 mit einer Frau besetzt. Die Präventionsbeauftragten sind von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich angestellt, werden aber im ganzen Bistum tätig sein.
Arturo Sosa, Generaloberer der Jesuiten
So lobenswert der von den Schweizer Bischöfen angestossene Prozess der kirchlichen Erneuerung ist: Auf weltkirchlicher Ebene hat sich zum ersten Mal im Ringen um den künftigen Kurs der katholischen Kirche eine wichtige publizistische Stimme für die Einberufung eines neuen Konzils ausgesprochen. Es sei höchste Zeit für ein Konzil. Nur mit einem Konzil könne Klarheit erreicht und das derzeitige Hin und Her überwunden werden, schreibt der Chefredaktor von «Christ in der Gegenwart», Johannes Röser. Und: «Papst Franziskus soll Farbe bekennen. Rührende mitmenschliche Gesten und volkstümliche Nähe reichen nicht mehr.»

Der Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa, ist überzeugt, dass es beim Ringen um die Zukunft der Weltkirche einen Kampf gibt. Der Kampf sei, ob man die vom Zweiten Vatikanischen Konzil erträumte Kirche wolle oder nicht. Sosa nimmt heute Abend um 17 Uhr in der Universität Zürich am Podium «Christsein heute – Kirche wohin?» teil, wo er u.a. mit Bischof Felix Gmür, Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ ins Gespräch kommt. (Vielleicht können Sie es sich kurzfristig einrichten.) 
Pilgern oder verweilen Sie gerne? Übermorgen Sonntag können Sie dies gemütlich in der Stube tun. Zusammen mit Norbert Bischofberger wandern Sie in «Spirituelle Wege der Sternstunde Religion» einem alten Pilgerweg entlang, der Via Francigena von Canterbury nach Rom. Die neue App «3:33 WEILER» lädt sie ab sofort zum Verweilen ein. Katholisch Stadt Zürich hat diese Woche – zusammen mit der ZHdK – diese App für Achtsamkeit lanciert. Schauen Sie rein und geniessen Sie eine überraschende Sicht auf die Stadt Zürich.
Ich schliesse heute mit einem «Grüss Gott Linz», begrüsst unser Newsletter doch die geneigten und weniger geneigten Leserinnen und Leser jeweils mit Grüss Gott Zürich. Die Diözese Linz hat sich mit dem Ziel, Kirche weit zu denken, mit Red Bull, jenem Getränk, das den Menschen – Engeln gleich – Flügel verleiht, einen starken Partner geholt. Müsste es nicht irgendwann möglich sein, dieses Ziel auch im Bistum Chur anzudenken. Es muss ja kein Energydrink sein, vielleicht ein bärenstarkes Bier oder ein betörender Wein …
 
Ich wünsche Ihnen allen ein sonniges und gesegnetes Wochenende und am Montag einen guten Start in die Herbstzeit. Herzlich grüsst
 
Aschi Rutz

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen an: newsletter@zhkath.ch
Sie möchten unseren neuen Newsletter weiter empfehlen?
Bitte schicken Sie an interessierte Personen den folgenden Link:
http://www.zhkath.ch/newsletter