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Rückblick + Einblick + Durchblick

Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
18.11.2016
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Lieber Herr <<Nachname>>

Rückblick: Mit dem Christkönigsfest geht an diesem Sonntag ein denkwürdiges Kirchenjahr zu Ende. Im April 2015 hatte Papst Franziskus überraschend ein Heiliges Jahr zum Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen. Überraschend deshalb, weil alle 25 Jahre ein solches fällig ist und das letzte erst 15 Jahre zurückliegt. Und überraschend, weil das Motto alle auf dem linken Fuss erwischte: Barmherzigkeit. Punkt. Barmherzigkeit? Die war in den letzten Jahrzehnten in der Theologie und in den Lehrbüchern ziemlich vergessen gegangen. Papst Franziskus rückte die Barmherzigkeit – und damit das Zentrum der Botschaft Jesu – wieder ins Bewusstsein. Aber nicht nur das! Er gab die Barmherzigkeit gleich als Programm mit für die ebenso überraschend einberufene Bischofssynode zu Ehe und Familie und anschliessend als Lesehilfe für das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia“. Das war wie ein Aufatmen nach langer Durststrecke. Fast täglich setzte Papst Franziskus einen neuen Akzent, sei es, dass er unangemeldet in einer Gassenküche auftauchte, mit Strafgefangenen im Petersdom Eucharistie feierte oder einer Gruppe von verheirateten, ehemaligen Priestern einen persönlichen Besuch abstattete. Ein erstes Fazit zu diesem Heiligen Jahr mit romzentriertem Blick fällt ernüchternd aus: Die Tourismusindustrie in Rom ist unzufrieden, man hätte mehr Umsatz erwartet. Die Pilgerzahl ist offenbar unter den Erwartungen geblieben. Für mich ein Hinweis, dass es Papst Franziskus gelungen ist, das Heilige Jahr zu einem weltkirchlichen Ereignis zu machen, das die Menschen in den Ortskirchen mobilisierte. Hier pulsiert das Leben, und hier ist die Barmherzigkeit hoffentlich erst gerade richtig erwacht.

Einblick: Barmherzigkeit ist die Triebfeder für Flüchtlingsprojekte in zahlreichen Pfarreien. Ob Hilfe bei der Suche nach Unterkunft, Anbieten von Deutschkursen und Mittagstisch bis hin zu Begegnungsanlässen: Mit feinem Gespür für das, was wichtig ist, integriert und Heimat schafft, engagieren sich viele Freiwillige hier im Kanton Zürich.

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ gilt allen, die sich vor oder hinter den Kulissen einsetzen. Stellvertretend gibt es hier einen kleinen Einblick in Winterthurer Projekte, die Flüchtlinge unterstützen.

Gleich zweimal sorgten die Schwestern vom Kloster Fahr für mediale Aufmerksamkeit. Nach einer ersten Etappe der Renovation konnten die Schwestern vom Exil in der ehemaligen Bäuerinnenschule (Kanton Zürich) in die Klosteranlage (Kanton Aargau) zurückkehren und haben jetzt fliessend warmes Wasser in der Zelle.

Wird Priorin Schwester Irene Gassmann Limmattalerin des Jahres? Die Limmattalerzeitung sucht jedes Jahr Persönlichkeiten, die Besonderes geleistet haben. Unter den Nominierten ist auch die Priorin des Klosters Fahr. Beeindruckt hat ihr Engagement für das Projekt „Kirche mit* den Frauen“, für das sie selber in die Wanderschuhe stieg und zu Fuss mit nach Rom pilgerte. Zweimal liess sie uns im Blog an Leid und Freud des langen Pilgerns teilhaben. Bis am 8. Dezember kann noch für Schwester Irene die Stimme abgegeben werden.

Durchblick: Da verschickt das Ordinariat Chur am Donnerstagnachmittag den Mitarbeitenden eine Erläuterung mit dem Betreff „Informationen zu den medialen Spekulationen bezüglich „Bischofswahl“ und „Administrator“ im Bistum Chur“ und stellt Unterlagen zu dieser kirchenrechtlich komplexen Materie zur Verfügung. Sogar mir als Theologe und Informationsbeauftrager erschliessen sich bei genauem Hinsehen neue spannende Details. Bereits am Freitagmorgen befeuern Zeitungsartikel und Kommentar Spekulationen, das Churer Privileg der Mitsprache könnte grundsätzlich ausgehebelt und gefährdet sein. Waren die Beiträge wohl schon fertig geschrieben, bevor der Inhalt der Erläuterungen gelesen, geschweige denn verstanden war? Journalistischer Durchblick geht anders und nimmt sich Zeit, sorgfältig zurückzufragen - ausser es besteht die Befürchtung, eine ausgewogene Einschätzung könnte die absurden Argumente gefährden. Dann wäre ja der Beitrag kaputtrecherchiert und das bringt weder Klicks noch steigert es die Auflage.

Durchblick der anderen Art: Ikonen verändern die Perspektive und laden den Betrachter ein, von irdischer Warte aus einen Blick in den Himmel zu wagen. Wer sich in diese geheimnisvolle Bild-Theologie vertieft, bekommt sozusagen den Durchblick – oder mindestens den Blick für das Wesentliche.

Eine Ikonenausstellung in der Pfarrei Bülach lädt zum Verweilen ein. Und wer weiss: Vielleicht findet die eine oder andere Ikone auch einen Platz bei Ihnen zu Hause?

„Hineni, Hineni, I am ready, my Lord“: „Hier bin ich – ich bin bereit, mein Gott“ Mit diesen Zeilen, die Durchblick beweisen, verabschiedet sich mit Leonard Cohen einer der ganz grossen Musiker. Wie manchen Abend habe ich mit Freunden bei einem Glas Wein und Cohens Musik verbracht und dabei philosophiert, über das Leben nachgedacht und es auch gefeiert! Melancholie und reibeiserne Stimme: So klingen furchtloses Urvertrauen und religiöses Ringen. Alex Brüggemann schrieb in der Jüdischen Allgemeinen: „Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe. Cohen selbst ist bereit.“ Ein paar wenige Tage darauf schloss sich der Lebenskreis des grossen Musikers.

Der Christkönigssonntag beschliesst das Kirchenjahr und erinnert uns daran, unseren Lebenskompass immer wieder neu auf das Wesentliche auszurichten.

Möge das Ihnen und uns allen – immer wieder gelingen.

Im Namen der ganzen Kommunikationsstelle wünsche Ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Arnold Landtwing
Simon Spengler, Aschi Rutz, Kerstin Lenz, Arnold Landtwing, Dominique Anderes

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