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Musse + Medien + Macht
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
16.11.2018
Kerstin Lenz, Informationsbeauftragte Synodalrat
Liebe Leserin, lieber Leser
Der graue November bringt so manche Mussestunde: Es dunkelt früh ein, nebelt und regnet, der Wind peift. Der Zwang, aufgrund des Wetters das kuschelige Sofa zu verlassen, fehlt. Dann schnell noch einen Tee kochen, Kerze anzünden und per Buch abtauchen in andere Welten. Herrlich!
Meine Entdeckung hatte ich vor Jahren eher kurz überflogen, bis jetzt stand das Büchlein „Mein Lied geht weiter“ unbeachtet im Regal. Es ist Gebrauchslyrik der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko, die 1975 in Zürich starb.
So auch gestern Abend am Arab Film Festival: Hier lernte ich, dass in den arabischen Ländern der Name Aida wie „Eida“ ausgesprochen wird. Und durfte zudem noch die sympathische wie charismatische Aida Schläpfer al Hassani kennenlernen. Sie organisiert zum vierten Mal das Arab Film Festival. Die katholische Kirche im Kanton Zürich unterstützt es finanziell. Noch bis Mitte Dezember kann man per Kinoticket in fremde Welten reisen - und natürlich lernen. Die Filme sind handverlesen, und der gestern gezeigte tunesische Eröffnungsfilm „Until the End of time“  – eine etwas schrullige Romanze in einem kleinen Dorf mit grossem Friedhof – machte wirklich Spass. Er läuft noch zweimal am Festival.
„Wann kapiert Ihr das?!“ Das möchte ich manchmal rufen, wenn wieder die Journalisten schuld sein sollen, dass für die Kirche unangenehme Geschichten ans Licht bzw. in die Zeitung kommen. Ein grosses Interview mit der ehemaligen Nonne Doris Wagner im Tagesanzeiger war der Auslöser. Es stimmt: Durch solche Berichterstattung fällt ein Schatten auf die katholische Kirche, wir fühlen uns auf den Schlips getreten, betonen, dass doch hier vor Ort so viel Gutes passiert. Ja – richtig. Aber über das Einzelschicksal der Frau, die im Kinofilm „Female Pleasure“ von ihrer Unterdrückung und Vergewaltigung im Orden berichtet, müssen wir doch zur Strukturfrage kommen: Wie kann so etwas geduldet werden? Warum schauen die Verantwortlichen bei Einrichtungen wie „Das Werk“ nicht genau hin – oder sogar weg?

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag von Josef Lang, der den staatskirchenrechtlichen Strukturen in der Schweiz ein Kränzchen windet, „weil sie die klerikale Macht relativieren."  
Dem Lernen und Lehren hatte sich auch der Priester und Theologe Franz Annen verschrieben: 33 Jahre lang unterrichtete er an der Theologischen Hochschule Chur. Er leitete diese zeitweise, so wie auch das Priesterseminar St. Luzi. Nun verstarb Franz Annen im Alter von 76 Jahren. In einem Beitrag über die neutestamentliche Tugend der Beharrlichkeit schrieb Franz Annen 2002: „Nicht der Held ist in dieser Zeit der Bewährung gefragt, sondern der treue Glaubende und Liebende mit zähem Stehvermögen.“ Als Katholische Kirche im Kanton Zürich sind wir dem Wirken von Franz Annen zu grossem Dank verpflichtet.
Franz Annen im November 2012. Foto: Hartmut Schüssler
„Statt (junge) Menschen erziehen zu wollen, sollten wir uns nach meiner festen Überzeugung darauf besinnen, sie zu begleiten.“ Das schreibt Jugendarbeiter Simon Brechbühler in unserem Blog und macht so auf das erste überkonfessionelle Chilefestival aufmerksam, das heute in Zürich startet. Die Kirchen präsentieren sich während eineinhalb Tagen vielfältig, jung und frisch. An verschiedenen Locations in der Stadt Zürich finden Konzerte, Gottesdienste und kulturelle Anlässe statt. Und ich habe wieder was gelernt: Das Chile-Festival ist ein „Fringe-Festival“, ein Renner in englischsprachigen Ländern. Jeder trägt bei, was er mag - grosse Freiheit statt straffes Organisieren. Spannend!

Sie sehen, lebenslanges Lernen ist auch ohne grosse Fortbildung möglich, die Beharrlichkeit samt Gelassenheit muss ich noch üben – und fange am Sonntag damit an – ob auf dem Sofa oder in einem Gottesdienst wird sich zeigen. Einen gesegneten selbigen, herzlich Kerstin Lenz

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