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GAU + Zwingli + Weihbischof
Newsletter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Grüss Gott Zürich
18.01.2019
Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat
Liebe Leserin, lieber Leser
Mit Vergnügen habe ich mich auf meinen ersten Newsletter in diesem Jahr vorbereitet, stehen doch in meinen Notizen so erfreuliche Anlässe wie Festgottesdienst im Grossmünster, Buchvernissage mit Weihbischof Peter Henrici oder der Zwingli-Film. Und am Mittwoch dann der GAU: in Riehen/BL brachten Recherchen der Medien eine verheerende Eiterbeule zum Platzen. Was war geschehen? Im Bistum Basel stellte sich ein Priester zur Wahl als Pfarrer. Das Problem: Das Gericht hatte ihn vor einigen Jahren verurteilt wegen sexueller Handlungen mit einem Minderjährigen. Dies führte zu einem Strafbefehl und einer bedingten Geldstrafe auf Bewährung. Inhaltlich war die Öffentlichkeit orientiert über Fussmassagen, die stattgefunden haben. Es kam, wie es kommen musste: Die Medien recherchierten und stiessen im Strafbefehl auf Schilderungen, die weit darüber hinausgehen.
 
Die Rundschau vom 20. Januar ist ein Lehrfilm für kirchlich Verantwortliche. Da offenbart sich bei Gläubigen eine fatale Pfarrer-Fixierung, die kritische Stimmen aus den eigenen Reihen verhöhnt. Es offenbart sich das Kirchenbild eines Priesters, der polarisierende Keile einschlägt, indem er Kritiker als «hetzende Herde rufmordender Gerüchteerzähler» diffamiert und seine Fans als «wohlwollende und unterstützende Gläubige» bezeichnet. Leider ist Bischof Felix Gmür am internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land und konnte sich nicht selber äussern. Er hat ein Jahr lang um einen Entscheid gerungen, mehrere Gutachten haben kein weiteres Fehlverhalten des Verurteilten prognostiziert. Schliesslich haben für Gmür der christliche Standpunkt einer zweiten Chance sowie das Vertrauen auf einen demokratischen Wahlprozess gegenüber Nulltoleranz überwogen. Als eine der profiliertesten und glaubwürdigsten öffentlichen Bischofs-Stimmen zur kirchlichen Nulltoleranz bei Übergriffen und Missbrauch ist er seit gut zwei Wochen Präsident der Bischofskonferenz. Und jetzt bringt ihn eine Affäre in Bedrängnis. Ich masse mir nicht an, hier eine Beurteilung zu diesem Fall abzugeben, denn ich beneide niemanden, der solche Entscheidungen zwischen Nulltoleranz und Barmherzigkeit treffen muss. Klar ist mir nur eines: In der Beurteilung klaffen Innen- und Aussensicht immer auseinander.
 
Schwierige Zeiten durchlebte die Kirche auch vor 500 Jahren. Von Einsiedeln, wo wir Zürcher Katholiken jährlich hinpilgern, kam Leutepriester Zwingli nach Zürich. Über dessen Geschichte, die zur Reformation in Zürich führte, hat Stefan Haupt einen Kinofilm gedreht. Die Einschätzungen zum Film sind unterschiedlich: Thomas Ribi von der NZZ hat es nicht gerade aus den Socken gehauen, Andreas C. Müller von Aargauer Pfarrblatt Horizonte schwärmt von einer guten Geschichtslektion.
Filmtrailer vom Zwingli-Film. 
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Für mich verblasst die anfänglich markante Figur Zwinglis je mehr sich parallel seine Frau Anna Reinhart zu einer starken Persönlichkeit entwickelt. «Villi wünsched sich die alte Gwüssheite zrugg, aber es bliibt ois nüd übrig, als uf de Suechi z’sii» sinnierte sie im Schlussbild  - und geht aufrecht weiter. Mir hat der Zwingli-Film gefallen, mit den dichten atmosphärischen Stimmungen, den Dialogen, als Geschichtslektion oder gelungene Computer-Rekonstruktion von Zürich zur Renaissance-Zeit.
„Erlebte Kirche. Von Löwen über Rom nach Zürich“ hat Weihbischof Peter Henrici sein neustes Buch betitelt, das am Montagabend an der Vernissage in der Jesuitenbibliothek am Hirschengraben vorgestellt wird. Für ihn ist die Ökumene in Zürich von zentraler Bedeutung mit Blick auf seine Zürcher Kirchenerfahrung: «Zum Erfreulichsten in meiner Zeit als Generalvikar gehörten die ökumenischen Beziehungen zur Evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich und zu ihrem Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich.» Mitbruder Franz-Xaver Hiestand würdigt im Blogbeitrag das ökumenische Wirken Henricis.
Ein Meilenstein in der Ökumene der Reformierten und Katholischen Kirche im Kanton Zürich ist für Generalvikar Josef Annen der ökumenische Festgottesdienst vom 20. Januar um 15 Uhr im Grossmünster„Seit 500 Jahren ist es das erste Mal, dass wir gemeinsam zu einem Festgottesdienst einladen. Kam es vor 500 Jahren zum Streit zwischen dem damaligen Generalvikar von Konstanz und Zwingli, kommen ich als heutiger Zürcher Generalvikar und Kirchenratspräsident Michel Müller, der in den Fussstapfen Zwinglis unterwegs ist, freudig zusammen. Die Bibel bildet die Grundlage für unser ökumenisches Miteinander in Wort und Tat. Deshalb steht der Gottesdienst auch unter dem Gedanken „Gottes Wort – Licht auf unserem Weg.“
Ökumene ist die ganze nächste Woche in Hinwil angesagt an der dritten Kirchenwoche, die unter dem Motto „Feuer und Flamme für den christlichen Glauben“ steht. Benno Schnüriger ist mit einem Vortrag präsent, einen Tag später kreuzen Religionsministerin Jacqueline Fehr und der Freidenkerpräsident auf einem Podium die Klingen. Solche wie auch viele andere erfreuliche und anregende Ereignisse bleiben in der öffentlichen Aufmerksamkeit lokal beschränkt. Dabei sind es gerade sie, die lebendige Kirche ausmachen.
Auch wenn sich viele die alten Gewissheiten zurückwünschen: Bleiben wir als Suchende auf dem Weg! Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
 
Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

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