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bedingungslos & sinnvoll = lebenswertvoll

bedingungslos & sinnvoll

 
Seit dem 15. Juni radelt Jürgen Rinck Richtung Norden, mit Ziel Nordkap.
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Fast drei Wochen Pause hat er sich gegönnt, in der Mitte seiner Strecke eine Pause gemacht. Ferien. Urlaub. Vier Wochen Fernradreise hinter sich, vier Wochen Fernradreise vor sich. Ich habe ihn am letzten Ferientag um ein Interview gebeten.

Wir schreiben Mittwoch, den 29. Juli 2015. Die Sonne scheint. Wir sitzen im Garten unserer Ferienhäuschens in Falun. Morgen wird Jürgen Rinck weiter ans Kap radeln – nochmals 2300 km, so viel, wie er bereits bis hierher zurückgelegt hat. Er beantwortet mir einige Fragen zu seinem Reise-Konzeptkunst-Projekt. Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus dem zwanzigminütigen Interview.

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Du hast ja diesmal ein Projekt-im-Projekt integriert. Kannst du uns darüber etwas erzählen?

Jürgen Rinck: Es sind dies Postkarten, die ich auf dem Handy aus den unterwegs entstehenden Bildern gestalte. Auch die Texte, die ich auf die Karten schreibe, sind einmalig. So ist jede Karte ein Unikat und wird auf die Empfängerin oder den Empfänger zugeschnitten. Die Karten werden per App an einen Service – Touchnote – geschickt, der die Karten ausbelichtet und versendet. Ich wollte das schon lange mal innerhalb eines Projekts ausprobieren. Ich wusste im Voraus nicht, ob das geht. Ob ich in Stimmung bin für Postkarten. Um Kunst zu schaffen muss man ja auch in Stimmung sein. Ich bin nun richtig froh, dass das so gut angenommen wird, dass Leute an den Karten Spaß haben und so ein bisschen Geld für die Reisekasse beisteuern, dadurch, dass sie die Karten kaufen. Ich glaube auch daran, dass diese Karten einen Wert haben. Zehn Euro kostet eine Karte.Das ist auf den ersten Blick natürlich viel. Aber jede Karte ist eine unikate Postkarte, künstlerisch und individuell auf die Leute zugeschnitten. Man kann die Karten als Sammlerstück betrachten und unterstützt zugleich mit dem Beitrag das Projekt.

Ist deine Kunstaktion somit eine Art Performance?

Jürgen Rinck: Das ganze Projekt ist eigentlich eine Art Performance, eine digitale Performance, eine Langzeit-Performance. Nicht so, wie man sich vielleicht normalerweise eine Performance vorstellt: Irgendwelche verrückten Künstler machen irgendwelche verrückten Sachen auf der Bühne und beziehen das Publikum mit ein … hier, bei mir, ist die Sache greifbarer. Reisen mögen die meisten Menschen. Mitreisen bei jemand anderem mögen auch die meisten. Bei mir werden sie auch gleich noch eingebunden durch die Online-Kommunikation. Die Postkarten nun sind darin das haptische Element, ein anfassbares Objekt, sind somit quasi eine Art Output aus der Performance heraus – jenseits der Erinnerung, die bleibt.

Was empfindest du als die größte Herausforderung, wenn du ab morgen allein unterwegs sein wirst? Bis jetzt hattest du ja oft Gesellschaft, in Deutschland hast du oft Stationen angefahren, hast Freunde besucht oder gar Menschen das erste Mal getroffen, die du vorher erst virtuell kanntest. Am Anfang, die erste Zeit in Schweden, bist du mit deinem alten Radlerfreund geradelt, Ray aus Schottland; hier nun bist du mit mir, deiner Partnerin, zusammen, doch jetzt beginnt eine neue Phase: Du wirst alleine radeln. Ungefähr einen Monat lang. Es wird eine Landschaft sein, die nicht mehr so toll touristisch erschlossen ist wie bisher, du wirst viel durch leere Landschaften und Wälder fahren. Macht dir das keine Angst?

Jürgen Rinck: Nein, das macht mir zwar keine Angst, aber das ist tatsächlich die größte Herausforderung: das viele Nichts, das ich durchqueren muss. Man muss sich das so vorstellen – ich bin diese Strecke ja vor zwanzig Jahren schon einmal gefahren und weiß –, dass die Städte ab jetzt immer weiter voneinander entfernt sind. Da kann es schon mal passieren, dass man einen ganzen Tag radelt ohne durch eine einzige größere Siedlung zu kommen, ohne einkaufen zu können, ohne Menschen zu sehen sogar … und das, in Kombination mit düster-grauen Wetter, macht mir am meisten Sorgen. Düster-graues Wetter schlägt bei mir, wie bei den meisten Menschen wohl, aufs Gemüt. Und das Gemüt ist ja wichtig. Wenn man froh ist, kann man schön Kunst schaffen und kommt auf tolle Ideen. Aber wenn man sich der Tristesse hingibt, kann's schon mal arg werden. Da kommt mir zum Glück zu Gute, dass ich schon oft trainiert habe auf längeren Reisen. „Ums Meer“ war ja auch manchmal recht durststreckig, wenn ich das mal so sagen kann. Was die Einsamkeit angeht, war die doch damals oft da. Da hoffe ich jeweils darauf, dass mich in solchen Momenten die permanente Internetanbindung aufheitern kann … dass die Sonne aus dem iPhone kommt sozusagen. (Lacht.).

Das ganze Interview gibt's
> hier (klicken) als Text (PDF) &
> hier (klicken) als nicht sehr tolle Aufnahme (mp3)


> mehr Infos zum Postkartenprojekt: hier klicken
 
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Herzlichen Dank!
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Jürgens Reise in der Zweibrücker Presse:
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